Good Practice - Project

Rollen im Wandel

Gemeinschaftliche Lebensmodelle ausprobieren sowie Sensibilisierung für das Thema der Geschlechtergerechtigkeit
  • GAP-Implementierung
  • - Programming period: 2014-2022
    Vorarlberg, Österreich
    - Programming period: 2014-2022
    Vorarlberg, Österreich

    General information

    RDP Priority
    • P6. Social inclusion and local development
    RDP Focus Area
    • 6B: Local development
    RDP Measure
    • M19: LEADER/CLLD
    Beneficiary type
    • Local association

    Summary

    Mädchen auf dem Skaterplatz, ein Steuerberater als Tagesvater und eine Mutter als Vorsitzende des Fußballvereins: Das gibt es im österreichischen Bundesland Vorarlberg noch wenig und wenn, wird es mehrheitsgesellschaftlich unsichtbar gemacht. Das Projekt „Rollen im Wandel“ wollte Potenziale von nicht traditionell verteilten Rollen nutzbar machen, Alternativen zur herkömmlichen Rollenverteilung vor den Vorhang holen und dazu einladen, diese auszuprobieren. Zu diesem Zweck boten die Fachorganisation femail, der Familienverband Vorarlberg und der Verein Amazone mit Unterstützung der Lokalen Aktionsgruppe Regionalentwicklung Vorarlberg ein breites Spektrum an Aktivitäten an.

    Damit alternative Rollenmodelle erlebbar werden, boten die drei Fachorganisationen Unterstützung bei der Umsetzung von Pilotaktivitäten. Dies waren Angebote wie ein Mädchentreff, Buchvorstellungen oder ein Podcast – je nachdem, was in der jeweiligen Gemeinde gerade am besten passte. Parallel dazu wurden den teilnehmenden Gemeinden Formate wie Vorträge, Workshops oder digitale Angebote zur Verfügung gestellt, die Möglichkeiten der Auseinandersetzung und Reflexion mit Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Rollenbilder und -stereotypen und Vielfalt eröffneten. Frauen waren maßgeblich an der Entwicklung des Projekts beteiligt und stellten die Mehrheit der 650 Teilnehmenden, was zeigt, dass sich Männer nach wie vor wenig von den Themen angesprochen fühlen bzw. nicht genügend für das Thema begeistert werden konnten. Frauen übernahmen eine führende Rolle als Referentinnen und Workshopleiterinnen.

    Results

    • 3.300 Stunden, die Fachorganisationen für die Umsetzung neuer Formate und die Begleitung von Initiativen neben dem Tagesgeschäft aufgewendet haben
    • ca. 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Projektaktivitäten, , davon 90 beim Theaterabend „Die perfekte Liste“
    • ca. 2.400 Aufrufe von Podcast-Episoden, durchschnittlich 150 pro Episode
    • Gestiegenes Bewusstsein für Geschlechtergleichstellung in der Bevölkerung, in Gemeinden und Unternehmen
    • Gestärktes ehrenamtliches Engagement in den Regionen
    • Erweitertes Wissen über Geschlechtergerechtigkeit und Rollenteilung bei den Zielgruppen
    • Erhöhte Motivation der Zielgruppen, sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen
    • Bessere Zusammenarbeit zwischen Fachorganisationen
    • Erhöhtes Bewusstsein für Fachorganisationen und ihre Aktivitäten in den Regionen
    • Neue Kontakte zwischen Fachorganisationen und Akteur:innen in den Regionen
    • Größeres Wissen der Fachorganisationen über die Situationen und Bedürfnisse in den Regionen Breiteres Bewusstsein für Projektthemen innerhalb der Fachorganisationen
    • Verankerung der Projektthemen in der Regio-V LEADER-Strategie 23-27, die während der Projektlaufzeit entwickelt wurde
    A team of individuals in business attire standing in an office, collaborating and sharing ideas in a professional setting.

    Kontext

    Trotz einiger Erfolge bei der Gleichstellungsarbeit bestehen in Vorarlberg nach wie vor große Unterschiede hinsichtlich der Lebensbedingungen und Chancen von Frauen und Männern, wie die Vorarlberger Landesrätin Katharina Wiesflecker feststellt. Tatsächlich ist Vorarlberg in Österreich bei fast allen Gleichstellungsindikatoren Schlusslicht z. B. Gender Pay-Gap. 

    Die Bearbeitung der Themen Geschlechtergerechtigkeit und Rollenwandel eröffnet Chancen für den ländlichen Raum, weil diese Themen nicht nur Familien betreffen, sondern auch Vereine, Unternehmen und Gemeinden, deren Entscheidungsgremien überwiegend von Männern dominiert sind.

    An der Partnerschaft „Rollen im Wandel” waren drei Fachorganisationen für Gender- und Familienfragen sowie die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Regio-V (Regionalentwicklung Vorarlberg) als Schnittstelle zu den Regionen beteiligt. Dies bot einen guten Ausgangspunkt, um im Sinne der LEADER-Strategie der Regio-V gesellschaftliches Lernen zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit und Rollenwandel zu ermöglichen.

    In Vorarlberg gibt es seit 2008 den Regionalen Aktionsplan für Gleichstellung von Frauen und Männern des Landes, Ziel ist u.a. eine ausgeglichenen Verteilung der Rollen von Männern und Frauen, um die Chance auf gerechte Lebensmodelle zu fördern. Die Idee für das Projekt „Rollen im Wandel” basierte auf diesem Regionalen Aktionsplan für Gleichstellung von Frauen und Männern. Der Plan listet Maßnahmen auf, wie die Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden kann. Viele davon werden aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht umgesetzt. Dank der Grundfinanzierung aus dem LEADER-Programm, ergänzt durch Mittel des Landes Vorarlberg und Eigenmittel der Projektpartner:innen, konnten Impulse für mehr Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt werden.

    Die Fachorganisationen erhielten über das Projekt die Möglichkeit, ihre Kräfte zu bündeln und gemeinsam Aktivitäten zu entwickeln. 

    Ziele

    Das Projekt zielte darauf ab, das Thema Geschlechtergerechtigkeit insbesondere im ländlichen Raum vor den Vorhang zu holen. Außerdem sollten Rollenbilder sichtbar gemacht werden, um anschließend Stereotypen abzubauen. Es wurde gezeigt, dass Rollen nicht wie in den meisten Fällen traditionell verteilt sein müssen und dass es viele andere Möglichkeiten gibt, wie das Zusammenleben in Partnerschaften und im Gemeinschaftsleben Gemeindeleben gelingen kann.

    Um Geschlechterrollenbilder in Frage zu stellen, entstanden mit Unterstützung des Projektteams neue Initiativen in den Gemeinden, die auf die Anforderungen oder Präferenzen der jeweiligen Region zugeschnitten waren.

    Aktivitäten

    Interessierte Gemeinden und ihre Akteur:innen wie Unternehmen, Vereine sowie Sozial- und Bildungseinrichtungen wurden im Rahmen mehrerer Startworkshops an das Thema herangeführt: Welche sozialen Rollen werden in der Region wahrgenommen und was haben diese mit Geschlechterrollen zu tun? Was müsste sich ändern, damit sich alle in der Gesellschaft gerecht behandelt werden? Wie möchtet ihr als Gemeinde aktiv werden, damit sich etwas ändert?

    Die Angebote der Fachorganisationen, die individuell auf die Ausgangssituationen und Bedürfnisse in den jeweiligen Regionen eingehen, wurden in einer Übersicht zusammengestellt. Diese wurde den Gemeinden und Regionen im Gebiet der Regio-V per E-Mail und über die Website zur Verfügung gestellt.

    Als Nächstes folgte die Entwicklung neuer Aktivitäten durch die Fachorganisationen und die Begleitung von Akteur:innen in den Regionen bei der Umsetzung der neuen Aktivitäten. Dazu gehörten 16 Folgen des Podcasts „Geschlechterrolle vorwärts” mit Erfahrungsberichten aus „nicht alltäglichen“ Familien, fünf Museums- und Dorfführungen zur Frauengeschichte im Montafon, drei Buchvorstellungen mit ausgewählten Romanen zum Thema Rollenwandel, ein Theaterabend mit Impro-Theater und Fachvortrag, ein Erzählcafé zum Austausch über Rollen- und Familienmodelle, ein Austausch für neu zugezogene Frauen in Vorarlberg, sowie die Begleitung Ehrenamtlicher beim Aufbau eines Mädchentreffs.

    Gleichzeitig stellten die Fachorganisationen den Gemeinden und weiteren Akteur:innen bestehende Formate wie Vorträge und Workshops zur Verfügung und eröffneten damit Möglichkeiten zur Diskussion und Reflexion über Geschlechtergerechtigkeit, Rollenbilder und Diversität. Dazu gehörten neun Aktionen für Väter mit Kindern mit Austausch, Spaß und Action, fünf Workshops für Gemeinden, Unternehmen und die Öffentlichkeit, zwei Vorträge zum Lernen und Reflektieren über Geschlechterrollen und zwei Ausstellungen zu Klassismus und Rollenvorstellungen.

    Die Projekt-Webseite (www.regio-v.at/rollen-im-wandel) informierte über Neuigkeiten, die Angebote der Fachorganisationen, die Initiativen im Rahmen des Projekts, Veranstaltungen sowie über die Themen Geschlechtergerechtigkeit und Rollenbilder. Das Projekt wurde auch über die Websites, Newsletter und sozialen Medien der Partner:innen sichtbar gemacht.

    Für Akteur:innen in Gemeinden wurden Ideenkarten für lebenswerte Gemeinden erstellt, die verschiedene Perspektiven zu fünf Bereichen der Gleichstellung aufzeigen und Tipps für die Umsetzung geben. Diese wurden in den Projektregionen verteilt. Außerdem wurden sieben Kurzvideos mit Begleitheft für Lehrkräfte zu repräsentativer Gemeindepolitik in Vorarlberg erstellt.

    Es wurde eine Abschlusspublikation erstellt, in der die Erfahrungen und Erkenntnisse zusammengefasst wurden.

    Alle Angebote des Projekts waren für die Teilnehmenden kostenlos. Die Kosten wurden aus dem Projektbudget, über Eigenmittel der Fachorganisationen oder von den an den einzelnen Formaten beteiligten Kooperationspartner:innen übernommen.

    Geschlechtergleichstellung

    Geschlechtergerechtigkeit war ein zentrales Ziel und Projektthema, insbesondere im ländlichen Raum. Das Projekt wurde hauptsächlich von Frauen (drei von vier) entwickelt, und die Mehrheit des Projektteams bestand aus Frauen (acht von neun). Frauen waren als Referentinnen und Workshopleiterinnen aktiver beteiligt als Männer, und es nahmen mehr Frauen an den Projektaktivitäten teil, Was zeigt, dass sich Männer nach wie vor wenig vom Thema angesprochen fühlen und die Frage bestehen bleibt, wie auch Männer für das Thema begeistert werden können. 

    Insgesamt stärkte das Projekt die Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen (u.a. als Referentinnen und Workshopleitende), verbesserte das Bewusstsein und förderte mehr Wissen und Motivation für die Gleichstellung der Geschlechter bei den Zielgruppen.

    Wichtigste Ergebnisse

    Quantitativ gesehen haben Fachorganisationen 3 300 Stunden im Innovationsbereich aufgewendet, um neben dem Tagesgeschäft neue Formate umzusetzen und Initiativen zu unterstützen. Rund 650 Personen nahmen an den Projektaktivitäten teil, mehr als die Hälfte davon Frauen. Der Theaterabend „Die perfekte Liste“ zog 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Der Podcast wurde rund 2 400 Mal aufgerufen, durchschnittlich 150 Mal pro Folge.

    Was die weniger greifbaren, aber insgesamt wichtigeren Auswirkungen angeht, war die wichtigste Errungenschaft die Sensibilisierung für Geschlechtergerechtigkeit in der Bevölkerung, in den Gemeinden und Unternehmen: zum Beispiel gestärktes ehrenamtliches Engagement in den Regionen, gesteigertes Wissen über Geschlechtergerechtigkeit und Rollenteilung unter den Zielgruppen sowie einer größeren Motivation innerhalb der Zielgruppen, sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen.

    Das Projekt trug auch zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den Fachorganisationen und zu einer größeren Bekanntheit der Fachorganisationen und ihrer Aktivitäten in den Regionen bei und half ihnen gleichzeitig, neue Kontakte untereinander und mit Akteurinnen in den Regionen zu knüpfen. Insgesamt verfügen die beteiligten Fachorganisationen nun über ein größeres Wissen über die Situation und die Bedürfnisse in den Regionen sowie über ein breiteres Bewusstsein für die Projektthemen innerhalb der einzelnen Fachorganisationen.

    Schließlich wurden die Projektthemen in der Regio-V LEADER-Strategie 2023-27 verankert, die während der Projektlaufzeit entwickelt wurde.

    Wichtige Erkenntnisse

    Die Zusammenarbeit zwischen Fachorganisationen, die sich in einer Region für mehr Gleichstellung einsetzen, führt zu Synergien, und die im Projekt umgesetzten Aktivitäten sind übertragbar. Die Hauptaufgabe bestand darin, die Zusammenarbeit zwischen den drei Fachorganisationen von Anfang an zu intensivieren und den Zugang der Fachorganisationen zu den Akteur:innen in den Projektregionen zu verbessern. 

    Das Projekt war eine gelungene gemeinschaftliche Umsetzung der Inhalte des Vorarlberger Aktionsplans zur Gleichstellung durch mehrere Systempartner:innen: femail, Regio-V, Verein Amazone, Vorarlberger Familienverband. Landtagsabgeordnete Katharina Wiesflecker
    Mit zwei Workshops und einem Vortrag mit Erfahrungsaustausch ist es dem Projektteam gelungen, bei unseren Unternehmen mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Betriebe für Arbeitnehmer:innen attraktiver sind, wenn sie gute Rahmenbedingungen für Frauen und Männer bieten. Guido Flatz, Obmann der REGIO Bregenzerwald
    Wir bekommen sehr viele Anfragen, ob wir Initiativen unterstützen und Angebote umsetzen können. Leider fehlen sehr häufig die Ressourcen dafür. Durch das Projekt war es möglich, Impulse zu setzen. Angelika Atzinger, Verein Amazone

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