Summary
Die Integrierte Schädlingsbekämpfung umfasst die Überwachung von Schädlingen sowie von Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen. Dies kann sehr arbeitsintensiv und schwierig sein. Daher wurden mehrere neue Hilfsmittel entwickelt, die Landwirten diese Aufgabe erleichtern und wirtschaftlich attraktiver gestalten. Im Folgenden finden Sie einige Beispiele aus den Niederlanden, Slowenien und der Schweiz.
Sensordaten für niederländische Ackerbauern
Sensordaten können dazu beitragen, den Ackerbau rentabler zu machen. Ein junges niederländisches Unternehmen, Appsforagri, zeigt dies anhand eines Pilotprojekts, das derzeit mit mehr als 200 Landwirten durchgeführt wird. Zunächst wird ein Netzwerk kleiner Wetterstationen auf den Höfen eingerichtet. Sensoren, die die Temperatur und Feuchtigkeit von Luft, Boden und Pflanzen messen, sammeln kontinuierlich Daten. Anhand der Bodentemperatur werden Läuse, Phytofthora und Thripse vorhergesagt. Die Kombination dieser Daten wird verwendet, um den potenziellen Schädlings- oder Krankheitsdruck für jede Kultur zu berechnen. Das Unternehmen hat eine App entwickelt, um diese Daten in für den Landwirt nutzbare Informationen umzuwandeln, und sie mit Pflanzenschutzmodellen für mehr als 40 Ackerkulturen verknüpft. Die Landwirte erhalten so feld- und kulturspezifische Empfehlungen, die ihnen zeigen, wann sie am besten sprühen sollten, um die beste Wirkung bei geringerem Pestizideinsatz zu erzielen. Aart Monster von Appsforagri sagt: „Die an den Tests beteiligten Landwirte haben Einsparungen von 60 € pro Hektar bei den Pflanzenschutzkosten erzielt. Außerdem führt ein genaueres Sprühen zu höheren Erträgen.“
Schädlingsüberwachung in Slowenien
Ein kleines Unternehmen aus Slowenien hat ein automatisiertes Schädlingsüberwachungssystem für verschiedene Kulturen entwickelt, das eine Lösung für dieses Problem bieten kann. Mit Hilfe von Pheromonfallen werden Insekten überwacht, und das System erstellt Echtzeit-Übersichten über die Insektenpopulation auf den Feldern. Es handelt sich um ein System, das auch kooperativ genutzt werden kann. Wenn der Landwirt zustimmt, Teil des Netzwerks zu sein, kann er auch einsehen, was andere Fallen an anderen Orten gefangen haben. So können Landwirte vorhersagen, wann wandernde Schädlinge eintreffen könnten.
Dieses Projekt wird von Horizon 2020 finanziert.
Bekämpfung von Rapsglanzkäfern in der Schweiz
Die Rapsglanzkäfer (Meligethes aeneus) sind eine Bedrohung für Raps. Sie wandern im Frühjahr zu den Pflanzen und beschädigen die Knospen, um sich von deren Pollen und Nektar zu ernähren. Sowohl im Schweizer Bio-Anbau als auch in der Integrierten Schädlingsbekämpfung ist der Einsatz von Insektiziden bei Raps verboten. Das FiBL entwickelt deshalb eine alternative, nicht-insektizide Methode zur Bekämpfung von Pollenkäfern. Während der Wanderung nutzen Raps-Schädlinge flüchtige Signale (von Pflanzen abgegebene Signale), um ihre Wirtspflanzen zu lokalisieren. Dieses Projekt entwickelt eine Bekämpfungsstrategie für den Rapsglanzkäfer, die auf abstoßenden Gerüchen basiert. Durch die Einführung solcher Gerüche auf dem Feld fällt es den Käfern viel schwerer, ihre Wirtspflanzen zu finden.
Das Projekt begann mit Laboruntersuchungen verschiedener ätherischer Öle. Auf der Grundlage der beiden vielversprechendsten Öle wurden 21 verschiedene Sprühformulierungen sowie 16 verschiedene Arten von Geruchsverteilern entwickelt, getestet und analysiert. Derzeit werden vier verschiedene Geruchsverbreiter unter landwirtschaftlichen Bedingungen auf Bio-Rapsfeldern in der Schweiz getestet. Claudia Daniel sagt: „Wir prüfen derzeit technische Lösungen, wie beispielsweise die Ausbringung mit Drohnen, aber es gibt noch einige Hindernisse zu überwinden. Die Beiträge und Rückmeldungen der Landwirte sind in dieser Phase des Projekts besonders wichtig.“