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Viehzucht, Klimaziele für 2040 und die GAP: Es ist ein Zahlenspiel

Um die Klimaziele der EU zu erreichen, muss ein Übergang zu nachhaltigeren Tierhaltungssystemen erfolgen. Der Artikel befasst sich mit den zu ergreifenden Maßnahmen und den zu berücksichtigenden Faktoren, darunter auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte.

Black and white spotted cows in green meadow with yellow spring flowers under blue sky

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels wird der Vorschlag für das Klimaziel für 2040 diskutiert, bevor er vom Europäischen Parlament und vom Rat verabschiedet wird. Es handelt sich um einen Meilenstein – oder eine Etappe – auf dem Weg bis 2050, dem Jahr, in dem die Europäische Union gesetzlich verpflichtet ist, Klimaneutralität zu erreichen.

Das Ziel für 2040 ist eine Netto-Emissionsminderung von 90 % im Vergleich zu 1990, was weitgehend der Empfehlung des Europäischen Wissenschaftlichen Beirats für Klimawandel entspricht, der eine Reduktion um 90-95 % fordert. Dieser Zielkorridor bedeutet, dass jeder Sektor seine Emissionen erheblich senken muss, und die Landwirtschaft bildet dabei keine Ausnahme.

Zwischen 2005 und 2022 sanken die Emissionen aus der Landwirtschaft um rund 5 % und zwischen 2022 und 2023 um schätzungsweise weitere 2 %. Der Agrarsektor ist für etwa 12 % der Treibhausgasemissionen der EU verantwortlich, aber dieser Anteil wird voraussichtlich steigen, wenn andere Sektoren dekarbonisiert werden. Die Emissionen aus der Landwirtschaft werden dominiert von Methan (61 %) und Lachgas (36 %), die aus natürlichen biochemischen Prozessen resultieren und nicht vollständig eliminiert werden können. Die Tierhaltung steht im Mittelpunkt der Herausforderung, da sie etwa zwei Drittel der Emissionen aus der Landwirtschaft verursacht, wobei allein das Methan aus der enterischen Fermentation fast die Hälfte des Fußabdrucks des Sektors ausmacht.

Um die Klimaziele für 2030, 2040 und 2050 zu erreichen, muss ein Übergang zu nachhaltigeren Tierhaltungssystemen erfolgen. Die Frage ist nicht, ob gehandelt werden muss, sondern wie.

Black and white spotted cows in green meadow with yellow spring flowers under blue sky

Auf dem Weg zu nachhaltigen Tierhaltungssystemen

Die Emissionen aus der Tierhaltung stammen aus verschiedenen Quellen: enterische Fermentation, Gülle, Futtermittelproduktion und Energieverbrauch. Direkte Emissionen lassen sich relativ gut quantifizieren, indirekte Emissionen, wie sie beispielsweise mit der Flächennutzung oder dem Einsatz von Düngemitteln verbunden sind, sind jedoch komplexer. Beide sind jedoch von Bedeutung.

Technologische Innovationen haben bereits zu einer Verbesserung der Emissionsintensität bei wichtigen Rohstoffen wie Schweinefleisch, Geflügel, Milch und Getreide geführt. In der Präzisionslandwirtschaft werden GPS, Sensoren und Drohnen eingesetzt, um Wasser, Düngemittel und Pestizide nur dort auszubringen, wo sie benötigt werden, wodurch überschüssiger Stickstoff, der zu Lachgasemissionen führt, reduziert wird. Eine verbesserte Futterverwertung durch ausgewogene Ernährung und hochwertigeres Futter verbessert die Nährstoffverdauung, wodurch die Methanemissionen pro Kilogramm Fleisch oder Liter Milch sinken. Kosteneffiziente Maßnahmen könnten die Emissionen aus der Viehzucht um weitere 25 % senken. Effizienzsteigerungen sind zwar wichtig, können jedoch das Ausmaß der Emissionen, die mit der Größe der Herden und dem Futterbedarf zusammenhängen, nicht vollständig ausgleichen.

Politische Maßnahmen fördern zunehmend die Extensivierung, aber die Kompromisse sind kontextspezifisch. Extensive Systeme verbessern oft die Biodiversität und die Kohlenstoffspeicherung, während intensive Systeme die Fläche „effizienter” nutzen, aber einen enormen Futtermittelbedarf haben. Keines der beiden Modelle allein führt zu Klimaneutralität. In Anerkennung der Herausforderungen, denen die vielfältigen Tierhaltungssysteme in der EU gegenüberstehen, hat die Europäische Kommission einen speziellen Arbeitsbereich für die Tierhaltung eingerichtet, der ein wichtiger Bestandteil der im Februar 2025 vorgestellten Vision für Landwirtschaft und Ernährung ist. Der Arbeitsbereich konzentriert sich auf zwei Hauptfragen: Wie kann eine faire und marktgerechte Lieferkette für die Tierhaltung aufgebaut werden, und wie kann die Unterstützung durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) angepasst werden, um nachhaltige Tierhaltungssysteme zu fördern?

Brown cows eating from blue buckets inside barn

Wirtschaftliche Herausforderungen

Für Landwirte ist diese Debatte nicht abstrakt. Der Übergang zu nachhaltigeren Tierhaltungssystemen bedeutet eine Anpassung der Geschäftsmodelle, Investitionen in neue Praktiken und manchmal auch eine Verringerung der Herdengröße. Dies wirft echte Bedenken hinsichtlich der Einkommenssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit auf, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Energiekosten und des globalen Marktdrucks.

Die GAP spielt hier eine wichtige Rolle und verfügt bereits über politische Instrumente, die zur Unterstützung nachhaltigerer Tierhaltungssysteme eingesetzt werden könnten. Bislang wurden diese jedoch nur zögerlich genutzt. Gleichzeitig können Mechanismen wie freiwillige gekoppelte Stützungszahlungen unbeabsichtigte Auswirkungen haben, indem sie die Herdengrößen festschreiben und die Emissionsminderung verlangsamen. Obwohl die Landwirtschaft zwischen 2014 und 2020 die Hälfte der EU-Klimaschutzausgaben ausmachte, haben sich die Emissionen kaum verändert.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, muss die EU-Politik gezieltere Anreize und Sicherheitsnetze schaffen. Landwirte brauchen Investitionshilfen, faire Märkte für nachhaltige Produkte und klare Signale, die sie für die Bereitstellung öffentlicher Güter belohnen. Ohne solche Unterstützung werden die Kosten der Untätigkeit letztendlich auf die Erzeuger selbst zurückfallen.

Eine nachhaltige Versorgung ist nur ein Teil des Problems. Auch die Nachfrage spielt eine Rolle. Der hohe Verbrauch an tierischen Produkten treibt die Emissionen, die Flächennutzung und die Futtermittelimporte in die Höhe und beeinflusst gleichzeitig die öffentliche Gesundheit.

Die Reduzierung von Abfall, die Umstellung der Ernährung auf pflanzliche Lebensmittel und die Gewährleistung von Transparenz über den Fußabdruck unserer Ernährung sind Teil der Lösung. Diese Fragen sind politisch heikel, aber unvermeidlich. Ohne eine Änderung der Konsumgewohnheiten reichen Emissionsminderungen in der Produktion allein nicht aus, um die Klimaziele zu erreichen.

Das Tierwohlbefinden ist ein weiterer, oft übersehener Faktor für die Emissionsminderung. Ein verbessertes Tierwohlbefinden reduziert den Stress der Tiere und senkt gleichzeitig die Methan- und Lachgasemissionen aus der Verdauung und dem Dung. Stress erhöht den Stoffwechsel der Tiere, steigert die Emissionen und schwächt das Immunsystem, wodurch sie anfälliger für Krankheiten werden und mehr Antibiotika benötigen. Die Verbesserung des Tierwohlbefindens kommt daher sowohl den Tieren als auch der Umwelt zugute, da Krankheiten, Emissionen und die Umweltkosten der Tierhaltung reduziert werden. Die Positionierung des Tierwohlbefindens als Teil des Übergangs zu nachhaltigen Tierhaltungssystemen könnte dazu beitragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Akzeptanz der Verbraucher zu stärken und gleichzeitig EU-Produkte auf den globalen Märkten zu differenzieren.

Woman female tasting and buying organic french cheese

Ausblick: Herdenentscheidungen am Scheideweg des Klimawandels

Der aktuelle Vorschlag für das Klimaziel 2040 lässt die Ziele für die Landwirtschaft offen. Das bedeutet, dass die Strategie zur Emissionsminderung in der Landwirtschaft im Dialog mit Landwirten, Industrie und Zivilgesellschaft gestaltet wird.

Dieser Prozess wird nicht einfach sein. Die Reduzierung der Herdenzahlen ist politisch umstritten, aber es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass sie notwendig ist. Zwar lässt sich argumentieren, dass in intensiven Systemen aufgezogene Tiere „effizienter” sind als in extensiven (d. h. dass mit einer bestimmten Menge an Emissionen oder Flächennutzung mehr Nahrung gewonnen wird), doch gibt es auch andere Überlegungen.

Viele beliebte ländliche Landschaften wurden über Jahrhunderte hinweg durch extensive Viehzucht geprägt, die auch heute noch Arbeitsplätze und landwirtschaftliche Betriebe in ländlichen Gebieten sichert. Intensive Tierhaltung kann jedoch das Landschaftsbild beeinträchtigen, die Umwelt verschmutzen und Wohlstand aus der lokalen Wirtschaft abziehen. Auch wenn sich die Wahrnehmung von Landschaften und landwirtschaftlichen Praktiken weiterentwickeln und sich die ländliche Wirtschaft anpassen kann, wird es für die Schaffung eines Konsenses für ein nachhaltigeres Lebensmittelsystem entscheidend sein, diese Faktoren gegeneinander abzuwägen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, Fairness zu gewährleisten: Unterstützung für Landwirte, echte Wahlmöglichkeiten für Verbraucher und widerstandsfähige Lebensmittelsysteme für die Gesellschaft.

Die Themengruppen des EU-GAP-Netzwerks zeigen, was ein inklusiver Dialog bewirken kann: die Überbrückung der Kluft zwischen den Ambitionen auf EU-Ebene und den Realitäten vor Ort. Eine solche Zusammenarbeit ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Politik sowohl angemessen ambitioniert als auch in der Praxis umsetzbar ist. Die Emissionsminderung ist eine Notwendigkeit, und obwohl wissenschaftliche Erkenntnisse Aufschluss darüber geben können, wie sich verschiedene Tiere und Landwirtschaftssysteme auf Böden, Wasser, Atmosphäre und Biodiversität auswirken, können sie allein nicht über das weitere Vorgehen entscheiden. Solche Entscheidungen müssen auch ethische, kulturelle, ideologische und politische Faktoren berücksichtigen.

Letztendlich ist der Übergang zu nachhaltigeren Tierhaltungssystemen keine existenzielle Bedrohung für Landwirte, sondern vielmehr unerlässlich für das langfristige Überleben des Sektors. Produzenten müssen als Partner für den Wandel bei der Minimierung der Emissionen aus der Tierhaltung angesehen und unterstützt werden. Nachhaltige Tierhaltungssysteme, faire landwirtschaftliche Einkommen, gesunde Ernährung und Tierwohlbefinden sind keine konkurrierenden Ziele, sondern miteinander verbundene Elemente eines gerechten Wandels in der Landwirtschaft.

Um von der Debatte zur Umsetzung zu gelangen, ist es an der Zeit, Foren zum Übergang zu nachhaltigen Tierhaltungssystemen einzuberufen: Alle Interessenvertreter – Landwirte, Wissenschaftler, politische Entscheidungsträger und Vertreter der Zivilgesellschaft – sollen an einen Tisch gebracht werden, um einen fairen, praktischen und zukunftsorientierten Weg bis 2040 und darüber hinaus zu entwerfen.