News | 10 Sep 2025

Wurzeln schlagen – Generationswechsel und LEADER

Der Generationswechsel in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum ist zu einer der wichtigsten Herausforderungen der EU geworden. LEADER trägt still und leise dazu bei, dass die nächste Generation sowohl das Recht als auch die Gründe hat, zu bleiben.

Angesichts der alternden ländlichen Bevölkerung in Europa und der Abwanderung junger Menschen in die städtischen Zentren wird die Frage, wer morgen im ländlichen Raum leben, arbeiten und Landwirtschaft betreiben wird, immer dringlicher. Der Generationswechsel in der Landwirtschaft und im ländlichen Leben ist zu einer der wichtigsten Herausforderungen der EU geworden. Während die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) direkte Instrumente zur Unterstützung junger Landwirte bietet, trägt LEADER, obwohl oft übersehen, still und leise dazu bei, Ökosysteme zu schaffen, die es jüngeren Generationen ermöglichen, sich eine Zukunft auf dem Land vorzustellen.

Aufgrund regulatorischer Beschränkungen kann LEADER landwirtschaftliche Kernaktivitäten nicht direkt finanzieren. Wie viele LAG-Manager nur zu gut wissen, wird ihnen bei der Erstellung lokaler Entwicklungsstrategien gesagt, sie sollen „alles außer der Landwirtschaft“ betrachten. Die Angst vor Doppelfinanzierungen hat viele LAG dazu veranlasst, sich weniger auf die Landwirtschaft zu konzentrieren, selbst in Gebieten, in denen sie für die ländliche Identität von zentraler Bedeutung ist.

Dennoch hat LEADER kreative Wege gefunden, um die Unterstützung für den Generationswechsel in der Landwirtschaft zu ergänzen, manchmal sogar durch Innovationen rund um die Regeln, die es einschränken. Das Ergebnis ist kein traditionelles Agrarsubventionsprogramm, sondern ein Netz von fördernden Maßnahmen: Unterstützung junger Menschen beim Zugang zu Land und Qualifikationen, Aufbau integrativer Landwirtschaftsmodelle, Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum und Einbeziehung junger Menschen in die Gestaltung der Zukunft ihrer Regionen. LEADER kann zwar keine Saat auf einem Bauernhof säen, aber es kann den Boden dafür vorbereiten.

Aspiring farmers from Spain’s RETA network © RETA 2025 - Picture by Patxi Uriz licence under CC BY-NC-ND 4.0

Ein fünffacher Weg zur Generationserneuerung

In ganz Europa tragen LEADER-Projekte dazu bei, die Generationserneuerung auf fünf verschiedenen Wegen zu fördern.

  1. Zugang und Experimentieren – Das spanische RETA-Netzwerk (Red de Espacios Test Agrarios) bietet angehenden Landwirten ein risikoarmes Umfeld, in dem sie ihre Fähigkeiten testen können. Diese „landwirtschaftlichen Testräume“, die in anderen europäischen Ländern auch als „Bauernhof-Inkubatoren“ bezeichnet werden, werden von LAGs und anderen Partnern wie Stadträten, Genossenschaften oder lokalen Stiftungen koordiniert. Die Inkubatoren bieten Land, Infrastruktur und Ausrüstung, rechtliche Strukturen sowie Mentoring, Betreuung und Beratung. Die Bewertung der Auswirkungen der GAP auf den Generationswechsel aus dem Jahr 2019 bestätigt, dass eine solche Unterstützung für Neueinsteiger in die Landwirtschaft, insbesondere durch LEADER, Innovationen gefördert und Raum für „unkonventionelle Neueinsteiger” geschaffen hat, insbesondere für diejenigen, die zuvor keinen Bezug zur Landwirtschaft hatten und denen die oben genannten Ressourcen für den Einstieg in die Landwirtschaft fehlen und die oft nicht von den gängigen GAP-Mitteln profitieren.
  2. Kompetenz- und Motivationsaufbau – Das Projekt „Durven Springen“ („Wage den Sprung“) in Flandern, Belgien, organisiert „Spiegelreisen“ für junge Menschen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, darüber nachzudenken, ob die Landwirtschaft zu ihnen passt, und um unternehmerische Kompetenzen aufzubauen. Dieses Erfahrungslernen trägt dazu bei, eine schlechte Nachfolgeplanung zu vermeiden und ermutigt eine neue Generation, den Sprung in die Landwirtschaft zu wagen. An anderen Orten unterstützt LEADER unternehmerische Schulungen für junge Menschen in ländlichen Gebieten, darunter in Estland, wo LAGs Bonuspunkte für die Bewertung von Projekten für jüngere Bewerber in den Bereichen Unternehmertum oder Gemeinschaftsmaßnahmen vergeben.
  3. Soziale Innovation – In Wallonien schafft das von der LAG Haute Sûre Forêt d’Anlier initiierte Projekt „Social Insertion Farms“ Wege für benachteiligte Gruppen (wie Schulabbrecher oder Menschen mit Behinderungen), sich in der Landwirtschaft zu engagieren. Diese Form der sozialen Landwirtschaft fördert die Inklusion und entwickelt neue multifunktionale Rollen für ländliche Betriebe (siehe den Bericht des wallonischen Netzwerks über soziale Landwirtschaft).
  4. Territoriale Attraktivität – Junge Menschen (einschließlich derjenigen, die sich für den Beruf des Landwirts interessieren) bleiben eher in ländlichen Räumen oder kehren dorthin zurück, wenn diese lebenswert sind. LEADER-Projekte, die in Wohnraum, Mobilität, Breitband und kulturelle Infrastruktur investieren, sehen nicht immer wie Agrarpolitik aus, sind aber unerlässlich. Wie es in der Bewertung der GAP 2019 heißt, „werden die meisten dieser Maßnahmen indirekt die Vitalität des ländlichen Raums fördern, indem sie die ländlichen Räume aktiver machen, Wachstum und Arbeitsplätze schaffen und damit die Lebensqualität verbessern“.
  5. Netzwerken und lokale Governance Dank der gemeinschaftsgeführten Struktur von LEADER können junge Menschen nicht nur als Begünstigte, sondern auch als Mitgestalter einbezogen werden. Viele LAGs beziehen Jugendvertreter aktiv in die Gestaltung der lokalen Entwicklungsstrategie oder die Projektsteuerung ein und geben ihnen so eine Stimme bei der Gestaltung der Zukunft ihrer Gemeinden. In Irland hat LEADER von Jugendlichen geführte Unternehmen, kulturelle Zentren und Initiativen zur Förderung digitaler Kompetenzen unterstützt, wobei sich häufig eine Diversifizierung im landwirtschaftlichen Betrieb als Nebeneffekt ergab. Dort hat LEADER beispielsweise einem Familienbetrieb geholfen, sich zu einem international anerkannten Keksproduzenten und Tourismuszentrum zu entwickeln. Die Diversifizierung im landwirtschaftlichen Betrieb motivierte den Sohn und die Tochter der Landwirte, die ein Studium absolviert hatten, zurückzukehren und den Familienbetrieb zu modernisieren.
Farmer working on organic farm dairy © Shutterstock

Ein Katalysator für Erneuerung

Die Stärke von LEADER liegt in seiner Flexibilität und seiner Bottom-up-Kreativität. Eine Fachkraft drückte es so aus: „LAGs beugen die Regeln und die etablierte Ordnung.“ Selbst unter strengen Auflagen gelingt es LEADER, junge Menschen beim Einstieg in die Landwirtschaft oder bei der Neugestaltung ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit zu unterstützen.

LEADER ist zwar kein direkter Finanzierungskanal für die Landwirtschaft, kann aber ein entscheidender Faktor für den Generationswechsel im ländlichen Raum sein. Es hat das Potenzial, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass junge Menschen im ländlichen Raum bleiben, zurückkehren oder neu anfangen können, auch wenn sie nicht immer als Landwirte tätig sind.

LEADER beweist, dass es bei der Generationserneuerung nicht nur um Subventionen geht, sondern um Zugehörigkeit, Vorstellungskraft und lokale Macht. Es geht darum, sicherzustellen, dass die nächste Generation sowohl das Recht als auch die Gründe hat, zu bleiben.

social farming in Belgium

Was kann also Ihre LAG tun, um die Generationserneuerung in der Landwirtschaft mit LEADER zu unterstützen? Eine kurze Checkliste für LAGs und Verwaltungsbehörden, die bereit sind, etwas zu bewegen!

  1. Denken Sie über die landwirtschaftliche Produktion auf Höfen hinaus – LEADER kann die Kernlandwirtschaft nicht direkt finanzieren, aber Sie können Folgendes unterstützen:
    1. Testfarmen, Startparzellen und Farm-Inkubatoren (z. B. landwirtschaftliche Testflächen wie RETA in Spanien)
    2. Soziale und multifunktionale Landwirtschaft, die Farmen mit Inklusion oder Pflegearbeit verbindet (siehe die Beispiele aus Wallonien)
  2. Bauernhöfe intelligenter, nicht härter
    1. Bieten Sie Diversifizierung im landwirtschaftlichen Betrieb an (Kekse, Campingplätze, Kunsthandwerk, was auch immer!)
    2. Richten Sie lokale Mikrokanäle ein, um Primärproduzenten mit lokalen Käufern, Geschäften, Köchen und Touristen zu verbinden
  3. Entfesseln Sie lokale unternehmerische Energie
    1. Kombinieren Sie Starthilfen für Unternehmen mit Coaching, Netzwerken und Beratungsdiensten
    2. Bieten Sie Schulungsreisen, Spiegelworkshops und Peer-Austausch an (siehe „Durven Springen” in Flandern)
    3. Nutzen Sie Kooperationsmaßnahmen, um Brücken zu bauen: zwischen alten Landwirten und jungen Nachfolgern, zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen