News | 12 Nov. 2025

LEADER mutiger machen – Mutigeres Handeln in der österreichischen ländlichen Entwicklung

Im Jahr 2025 haben sich die österreichischen lokalen Aktionsgruppen „Making LEADER braver“ (LEADER mutiger machen) als übergeordnetes Ziel für ihre Arbeit gesetzt. Erfahren Sie, was dies bedeutet und wie es in der Praxis umgesetzt wird.

Für das Jahr 2025 haben sich die österreichischen LAGs „Making LEADER braver“ als übergreifendes Ziel für ihre Arbeit gesetzt. „Mutig“ bedeutet dabei nicht leichtsinnig, sondern entschlossen und lernbereit handeln, neue Ideen zulassen, Pilotprojekte wagen, unbekannte Partnerschaften eingehen (kurz gesagt: die eigene Komfortzone verlassen) und anschließend die Ergebnisse ehrlich bewerten. LEADER bietet dafür den perfekten Rahmen: Es ermöglicht Experimente, die bei Erfolg übertragen werden können.

Mit neuen Ideen spielen

Die Kraft dieses Geistes zeigte sich bei der LINC 2025-Veranstaltung, die in St. Anton am Arlberg (Österreich) stattfand und von den Lokalen Aktionsgruppen (LAG) RegioL ausgerichtet wurde.

RegioL stellte mehrere Beispiele für sehr unterschiedliche Aktivitäten vor, die durch LEADER ermöglicht wurden – „mutige” Projekte, die auf lokaler Ebene konkrete Veränderungen bewirken und dazu beitragen, das Leben der Menschen vor Ort zu verbessern. Dazu gehörten die Einführung eines Expressbusses über die italienisch-österreichische Grenze hinweg, um die Mobilität im ländlichen Raum zu erleichtern, die Organisation von Deutschkursen, ergänzt durch Kinderbetreuungsangebote zur Verbesserung der Zugänglichkeit, mit dem Ziel, Frauen mit Migrationshintergrund zu stärken, sowie ein Roboter, der schwierige Aufgaben in der Lebensmittelindustrie übernimmt, um die Mitarbeiter zu unterstützen. Andere Projekte der LAG fördern die Anpassung an den Klimawandel, beispielsweise durch die Unterstützung der Installation von Trinkwasserbrunnen, die Sammlung von Regenwasser in Privathaushalten oder die Schaffung klimafreundlicher Wälder durch die Anpflanzung klimaresistenter Baumarten.

„Bescheiden” sein

Der aktuelle Förderzeitraum stellt viele LAG vor die Herausforderung, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen. Hier ist es entscheidend, „bescheiden” zu sein. Kleinräumige, clever konzipierte Projekte können einen erheblichen sozialen Mehrwert schaffen, wenn sie zielgerichtet, sichtbar und übertragbar sind.

Die lokale Entwicklung unter der Federführung der Bevölkerung (CLLD) spielt hier ihre Stärken aus: lokale Interessenvertreter und -innen entscheiden, was wirklich benötigt wird und was die größte Wirkung erzielt, d. h. ein dezentraler, partizipativer Ansatz, der sicherstellt, dass die Budgets gezielt eingesetzt, die Ressourcen der Zivilgesellschaft aktiviert und die vorhandenen Infrastrukturen gemeinsam genutzt werden. Die Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen, Unternehmen oder Gemeinden erhöht die Reichweite, ehrenamtliches Engagement stärkt das Zugehörigkeitsgefühl und eine offene Kommunikationskultur beschleunigt den Lernprozess als fortlaufenden Prozess.

Man jumping over a river in the mountains

Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in und durch LEADER

Eine Arbeitsgruppe des österreichischen GAP-Begleitausschusses hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschlechtergleichstellung im aktuellen Umsetzungszeitraum zu verbessern. Ihr Ziel: praktische Ergebnisse zu liefern, die breit anwendbar sind. Insbesondere LEADER-Regionen haben das Potenzial, die Geschlechtergleichstellung voranzutreiben.

Die LAG-Region Hermagor hat einen neuen regionalen Ansatz zur Einbeziehung der Geschlechtergleichstellung in LEADER pilotiert und ein übertragbares Modell entwickelt, das nun anderen regionalen Strukturen in ganz Österreich in Form eines praktischen Leitfadens zu LEADER als Motor für Chancengleichheit im ländlichen Raum zur Verfügung steht.

Hintergrund ist die Überlegung, dass Gleichstellung eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung im ländlichen Raum ist. Nur so können Chancengleichheit geschaffen, der Fachkräftemangel bekämpft, der soziale Zusammenhalt gestärkt und eine nachhaltige Entwicklung sichergestellt werden. Um dies zu erreichen, ist ein dreigliedriger Ansatz erforderlich: Verankerung der Gleichstellung in der lokalen Entwicklungsstrategie (LES), Konsolidierung im LAG-Management und Umsetzung der Gleichstellung auf Projektebene. Die LAG-Region Hermagor hat damit begonnen, Workshops (darunter auch spezifische für Männer und Frauen) zu organisieren, spezifische Ausschreibungen zu starten und wird in Kürze mit der Anpassung ihrer LES beginnen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Geschlechtergleichstellung auf allen Ebenen als Grundvoraussetzung angesehen wird.

Ein spezifischer Handlungsbereich zur Förderung der Geschlechtergleichstellung auf dem Arbeitsmarkt ist die MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), die auch für die Bekämpfung des Fachkräftemangels im ländlichen Raum von entscheidender Bedeutung ist. Hier hat LEADER/CLLD in Österreich, insbesondere in Tirol, bereits viel erreicht. Das MINT-FabLab Bezirk Landeck ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem „MINT-FabLab Bezirk Imst” (ein Projekt von Regio Imst), dem RegioL-Projekt „MINT-Detektiv-Ecken Bezirk Landeck” und lokalen Schulen. Im Rahmen des Projekts wurden mehrere MINT-Labore und MINT-Ecken eingerichtet, in denen Kinder schon früh an die MINT-Bildung herangeführt werden können. Dies ist besonders wichtig, damit Mädchen schon in jungen Jahren Interesse an MINT entwickeln und ihre Fähigkeiten während ihrer gesamten Ausbildung ausbauen können, um ihnen den Zugang zu MINT-Berufen zu erleichtern, die in der Regel von Männern dominiert sind.

Womand cycling near a river

Die Kraft des Netzwerks

Die umfassende Zusammenarbeit zwischen den LAGs in Österreich zeigt, dass Entschlossenheit und Wirkung selten isoliert entstehen. Nationale und regionale Kooperationsprojekte bündeln Ressourcen über Verwaltungsgrenzen hinweg und ermöglichen die gemeinsame Entwicklung, Erprobung und Bewertung von Maßnahmen in Bereichen wie Klimaanpassung, regionale Wertschöpfung, Tourismus und soziale Innovation.

Eine Pilotregion geht mit Stärke und Zuversicht voran, sodass andere LAGs einen „sicheren“ (und klaren) Weg einschlagen können. Dies ist einer der vielen Vorteile von LEADER: LAGs stehen nicht im Wettbewerb miteinander, sondern arbeiten zusammen, um mehr zu erreichen.

Treffen wie LINC erweitern den Horizont, festigen das Wissen und senken die Hemmschwelle, erste Schritte zu unternehmen, sobald die Teilnehmer und -innen wieder zu Hause sind. Zu sehen, wie andere ähnliche Herausforderungen meistern und dennoch neue Wege beschreiten, gibt den Menschen Vertrauen in ihre eigene Region – und Motivation, Dinge direkt anzugehen.

Während das Networking auf EU-Ebene sehr spannend ist – und dank der LEADER-Netzwerktools des EU-GAP-Netzwerks auch immer einfacher wird –, sind nationale und lokale Veranstaltungen unschätzbare Gelegenheiten für den Austausch und das gegenseitige Lernen. Wichtige Netzwerkveranstaltungen in Österreich sind die LEADER-Jahreskonferenz und die Treffen des LEADER-Forums Österreich – zum Beispiel die Treffen „Herbstzauber“ und „Winterzauber“. Hier kommen LEADER-Manager und -innen aus dem ganzen Land zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, aktuelle Themen zu diskutieren und sich auf gemeinsame Ansätze für Herausforderungen zu einigen. Der offene Dialog über Probleme – und darüber, wer welche Lösungen ausprobiert – gibt Orientierung, spart Ressourcen und stärkt die Handlungsfähigkeit aller Beteiligten. In dieser Kultur des Vertrauens verwandeln sich Projekte schneller von Einzelinitiativen in starke Allianzen. Ein perfektes Beispiel für eine Allianz in Tirol ist das Projekt „Netzwerk Leerstandsmanagement“, in dem alle LAGs in Tirol zusammenarbeiten, um leerstehende Immobilien in der Region wieder zu aktivieren.

People hiking in the mountains

„‚Making LEADER braver‘ lädt ganze Regionen dazu ein, ihr kreatives Potenzial zu nutzen, über das individuelle Eingehen von Risiken hinaus“, sagt Stefan Niedermoser, Vorsitzender des LEADER-Forums und Geschäftsführer der LAG Regio³ Bezirk Kitzbühel. Mut zur Veränderung bedeutet, klare Prioritäten zu setzen, lokale Entscheidungsmöglichkeiten zu nutzen und aus Rückschlägen Erkenntnisse zu gewinnen.

Der Austausch liefert Informationen, Inspiration und Engagement. LAGs können sich um Effizienz bemühen: große Wirkung mit begrenzten Ressourcen, Menschen mit ins Boot holen und Ideen skalieren. Wenn die LEADER-Welt informiert, inspiriert und engagiert bleibt, werden in ländlichen Räumen mutige Projekte entstehen, die nicht nur heute überzeugen, sondern auch Vorbilder für morgen sind – für eine widerstandsfähige, kreative und nachhaltige Entwicklung in ganz Europa.