News | 23 Apr. 2026

Eine klimaresiliente Landwirtschaft kann die Einkommen der Landwirte sichern, wenn sie entsprechend gefördert wird

Eine klimaresiliente Landwirtschaft kann die Produktivität aufrechterhalten, die Einkommen stabilisieren und die Ernährungssicherheit in Europa gewährleisten. Gezielte Investitionen und eine stärkere Steuerung können den Wandel beschleunigen.

Bei der Analyse von landwirtschaftlichen Betrieben, die versuchen, ihre Systeme widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen, zeigte sich schnell eine Beobachtung: Viele Landwirte experimentieren bereits mit Lösungen. Oft im Stillen, oft unter gewissen Risiken und oft ohne genau zu wissen, wie lange es dauern wird, bis sich die Vorteile in der Betriebsbilanz niederschlagen.

Der im März 2026 veröffentlichte Kurzbericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) „Aufbau einer klimaresilienten Landwirtschaft in Europa: eine wirtschaftliche Perspektive“ stellt einen Zusammenhang zwischen Klimagefahren, der Anfälligkeit landwirtschaftlicher Betriebe und den wirtschaftlichen Auswirkungen her. Er fasst die Ergebnisse von 51 europäischen Fallstudien auf Betriebsebene zusammen und zeigt, dass eine klimaresiliente Landwirtschaft strategische wirtschaftliche Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit und den Wohlstand im ländlichen Raum Europas hat.

Die Herausforderungen, denen Landwirte gegenüberstehen, sind in ganz Europa bekannt. Das Wetter wird immer unvorhersehbarer, die Inputkosten bleiben hoch und schwanken stark, und die Böden stehen in vielen Regionen unter zunehmendem Druck. Die Aufrechterhaltung der Produktivität bei gleichzeitiger Sicherung der Margen wird zu einem immer schwierigeren Balanceakt.

In dem aktuellen EEA-Kurzbericht wurden die Übergänge von 51 landwirtschaftlichen Betrieben hin zu einer sogenannten klimaresilienten Landwirtschaft analysiert. Diese Betriebe befinden sich in ganz Europa, von Portugal bis zur Ukraine, und bieten wertvolle Erkenntnisse: Bei Resilienz geht es nicht nur um die Anpassung an den Klimawandel; sie kann auch eine solide wirtschaftliche Strategie sein.

Map of the European countries analysed by the European Environmental Agency for this study

Bei Resilienz geht es oft darum, Abhängigkeiten zu verringern

Eine Erkenntnis tauchte in den Fallstudien mehrfach auf: Betriebe, die widerstandsfähiger werden, verringern oft ihre Abhängigkeit von teuren externen Betriebsmitteln und anfälligen Produktionssystemen.

Dies kann verschiedene Formen annehmen, von der Verbesserung der Bodenstruktur über die Diversifizierung der Fruchtfolgen bis hin zur Einführung landschaftlicher Elemente zur Wasserspeicherung oder der Neugestaltung der Tierhaltungssysteme. Keine dieser Veränderungen ist für sich genommen revolutionär. Aber zusammen können sie die Betriebe schrittweise weniger anfällig für Klimaschocks und Schwankungen bei den Betriebsmittelpreisen machen.

Ein Beispiel, das besonders hervorstach, war die reduzierte Bodenbearbeitung. Durch eine geringere Bodenstörung können landwirtschaftliche Betriebe die Bodenstruktur und die Wasserspeicherkapazität verbessern, was umso wichtiger wird, je häufiger und schwerwiegender Dürren und Starkregenfälle auftreten. Was Landwirte oft als Erstes bemerken, sind die betrieblichen Auswirkungen.

In allen Fallstudien gingen reduzierte Bodenbearbeitung und damit verbundene Praktiken des Bodenmanagements mit einem geringeren Kraftstoffverbrauch und in einigen Fällen mit niedrigeren Produktionskosten und einem geringeren Arbeitsaufwand einher.

Ähnliche betriebliche Einsparungen werden in mehreren Fallstudien berichtet, wobei die Ergebnisse je nach Anbausystem und lokalen Bedingungen variieren. So wurden beispielsweise bei einem „System der konservierenden Landwirtschaft“ in Spanien Einsparungen von rund 2.000 Litern Diesel pro Jahr sowie eine Senkung der Kosten für Düngemittel und Herbizide um etwa 10.000 EUR verzeichnet. In Ungarn senkte ein System der reduzierten Bodenbearbeitung den Arbeitsaufwand auf etwa 25–30 % des konventionellen Niveaus, was eine erhebliche betriebliche Effizienzsteigerung widerspiegelt.

In einer Zeit, in der Energiepreise und Arbeitskosten unter Druck stehen, sind solche Einsparungen kaum zu übersehen.

Die ersten Jahre sind die schwierigsten

Gleichzeitig deutet die Analyse darauf hin, dass die Übergangsphase die schwierigste Phase sein kann.

Die Umstellung der Praktiken kann neue Ausrüstung, neues Wissen und die Bereitschaft zum Experimentieren erfordern. Vorteile wie eine verbesserte Bodengesundheit oder Ökosystemleistungen zeigen sich oft erst nach einiger Zeit. In der Zwischenzeit tragen die Landwirte einen großen Teil des Risikos.

Hier wird auch die wirtschaftliche Lage komplexer. Einige Resilienzmaßnahmen bringen Vorteile für die Gesellschaft als Ganzes, wie gesündere Landschaften, verbesserte Biodiversität und eine bessere Wasserspeicherung. Doch diese öffentlichen Vorteile führen nicht immer zu unmittelbaren privaten Erträgen für den Landwirt.

Livestock in a meadow, sustainable carbon neutral farming being practiced

Der Klimadruck beeinflusst bereits die Entscheidungen

Eine weitere interessante Erkenntnis war der starke Einfluss regionaler Bedingungen auf die Entscheidungen der Landwirte.

In Regionen, die bereits mit häufigen Dürren oder Hitzestress konfrontiert sind, insbesondere in Südeuropa, erkennen viele Landwirte den wirtschaftlichen Nutzen von Resilienzmaßnahmen schneller, da sich die Investition durch geringere Ernteausfälle oder stabilere Erträge früher auszahlt als in Regionen mit allmählicherem Klimadruck.

In Regionen, in denen sich der Klimadruck allmählicher bemerkbar macht, kann es länger dauern, bis sich der wirtschaftliche Nutzen konkretisiert. Hier gewinnen langfristige politische Stabilität und öffentliche Kofinanzierung besonders an Bedeutung.

Resilienz wird zu einem wirtschaftlichen Thema

Die Erkenntnisse aus den 51 Fallstudien zu landwirtschaftlichen Betrieben deuten darauf hin, dass Klimaresilienz zunehmend mit der Betriebswirtschaft und der langfristigen Lebensfähigkeit verbunden ist. Sie rückt in den Mittelpunkt der Agrarpolitik.

Landwirte testen und passen sich bereits an. Die Fallstudien veranschaulichen praktische Wege, um Kosten zu senken, Risiken zu managen und gesündere Produktionssysteme aufzubauen. Doch die Skalierung dieser Lösungen erfordert mehr als nur einzelne Initiativen.

Eine stärkere Steuerung, eine bessere Überwachung von Klimarisiken und gezielte Investitionen können den Landwirten helfen, nicht mehr nur auf Krisen zu reagieren, sondern Systeme aufzubauen, die auf diese vorbereitet sind.

Letztendlich geht es bei der Unterstützung dieses Wandels nicht nur darum, den Landwirten bei der Anpassung zu helfen. Es geht auch darum, die Lebensmittelproduktion Europas für die kommenden Jahrzehnte zu sichern.