Good Practice - Project

Förderung des gemeinschaftlichen Naturschutzes in landwirtschaftlichen Betrieben in Sachsen-Anhalt

Durch die GAP finanzierte landwirtschaftliche Maßnahmen auf Landschaftsebene in Deutschland schützen den seltenen Europäischen Hamster und andere wichtige Naturarten durch Kooperations- und Netzwerkstrategien.
  • GAP-Implementierung
  • - Programming period: 2023-2027
    Deutschland
    - Programming period: 2023-2027
    Deutschland

    General information

    Beneficiary type
    • Non-governmental organisation
    CAP specific objective
    • SO6. Biodiversity and farmed landscapes
    Intervention type
    • Art. 70 – ENVCLIM

    Summary

    Aufbauend auf neuen, maßgeschneiderten Förderinstrumenten im Rahmen der GAP hat eine Nichtregierungsorganisation in Sachsen-Anhalt innovative Netzwerke aufgebaut, die es deutschen Landwirten ermöglichen, sich gemeinsam für die Biodiversität einzusetzen. Der GAP-Rahmen schuf einen starken Anreiz, Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen auf Landschaftsebene zu organisieren, wodurch die Landwirte sowohl die ökologischen Auswirkungen als auch die praktische Umsetzung optimieren konnten.

    Dieses Projekt unterstützt Landwirte, Landwirtschaftsbehörden und Naturschutzfachleute bei der Konzeption und Umsetzung koordinierter Maßnahmen, die auf prioritäre Arten wie den Rotmilan und den Europäischen Hamster ausgerichtet sind. Acht neue Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen wurden entwickelt und strategisch in fünf hochproduktiven Ackerbaugebieten angewendet.

    Durch diese Kooperativen profitieren die Landwirte von einer koordinierten Planung und gemeinsamen Umsetzung, während die Natur von gezielten, miteinander verbundenen Lebensräumen profitiert. Zwischen 2024 und 2028 werden fünf Kooperativen tätig sein, wobei bereits 63 Betriebe allein im Jahr 2025 Maßnahmen auf 1 450 Hektar umsetzen – ein Beleg dafür, wie die GAP-Förderung kollektives Handeln für die Natur in Deutschland und Europa ermöglichen kann.

    Results

    Die Projektergebnisse trugen dazu bei:

    • Fünf neue regionale Naturkooperativen für landwirtschaftliche Betriebe zu gründen.
    • In der ersten Phase mehr als 60 landwirtschaftliche Betriebe einzubeziehen.
    • 4 087 Hektar Ackerland zu bewirtschaften, wobei auf 1 451 Hektar Maßnahmen umgesetzt wurden.
    • Gefährdete Tier- und Pflanzenarten in landwirtschaftlichen Gebieten auf Landschaftsebene zu fördern.
    • Die gezielte Ausrichtung der Maßnahmen durch die Koordinierung zwischen Landwirten und Naturschutz zu optimieren.
    • regionale Entscheidungen zur Berechnung der Betriebsprämien zu erreichen.
    • Das Risiko von Sanktionen durch technische Unterstützung und Beratung für Landwirte zu verringern.
    • Die Verwaltungslast des Projekts durch die Bündelung von Anträgen zu reduzieren.

    Ressourcen

    Presentation of the project areas for training

    Kontext

    Der Europäische Hamster und der Rotmilan sind zwei Schlüsselarten für das Bundesland Sachsen-Anhalt. Die Hauptlebensräume beider Tierarten befinden sich in Regionen mit intensiver Ackerbauwirtschaft. Sachsen-Anhalt trägt eine besondere Verantwortung für den Schutz des Europäischen Hamsters, da hier das größte noch zusammenhängende Lebensgebiet dieser in Deutschland vom Aussterben bedrohten Art liegt.

    Während der Rotmilan-Bestand derzeit stabil ist, hat sich die Situation des Europäischen Hamsters, der fast ausschließlich auf Feldern mit hochproduktiven Böden lebt, verschlechtert.

    Zur Unterstützung dieser wichtigen Arten wurden neue Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen entwickelt, die mehr Nahrung und Schutz vor Raubtieren bieten. Zu diesen Schutzmaßnahmen gehörten die Getreideernte, der Getreideanbau mit Zwischenfrüchten und der Anbau von kleinkörnigen Hülsenfrüchten. Zudem wurde durch die neuen Öko-Maßnahmen die Anlage von Ackerkräuterstreifen gefördert, um seltene und gefährdete Ackerwildkräuter zu unterstützen (die an hochproduktiven Standorten mit intensiver Flächennutzung fast verschwunden sind). Diese wurden während der Projektlaufzeit extensiv angebaut.

    Ein Vorlaufprojekt („Modellprojekt kooperativer Naturschutz in der Landwirtschaft“) lief von 2020 bis 2023 und setzte fünf kooperative Naturschutzmaßnahmen auf 635 Hektar um. Die aus dieser ersten Kooperation gewonnenen Erfahrungen wurden dann genutzt, um den kooperativen Naturschutz in Sachsen-Anhalt im aktuellen GAP-Förderzeitraum auszuweiten und zu festigen.

    Die fünf seit 2024 gegründeten Naturkooperationen umfassen nun 63 Betriebe, die kooperative Maßnahmen auf 1 451 Hektar umsetzen und damit den Naturschutzwert von insgesamt 4 087 Hektar steigern.

    Ziele

    Das Projekt zielt darauf ab, die Effizienz der Nutzung der EU-Mittel sicherzustellen und Landwirte auf ertragreichen Ackerflächen zu motivieren, gezielte Maßnahmen zur Biodiversität umzusetzen. Zu den spezifischen Zielen gehörten:

    • Erhaltung von Tier- und Pflanzenarten in der Agrarlandschaft (Europäische Hamster, Feldvögel, Insekten, wilde Feldkräuter).
    • Erhöhung der Gesamtfläche der umgesetzten Maßnahmen zur Biodiversität in intensiv genutzten Ackerbaugebieten.
    • Motivation einer größeren Anzahl von Landwirten zur Teilnahme an der Umsetzung von Maßnahmen zur Biodiversität.
    • Verbesserung des Dialogs zwischen den Interessenvertretern in den Bereichen Landwirtschaft und Naturschutz.
    • Anregung für Landwirte, Maßnahmen zur Biodiversität auch in anderen Kontexten umzusetzen.

    Aktivitäten

    Die Projektmaßnahmen umfassten:

    • Teilnahme am landesweiten Ideenwettbewerb zur Gründung von Genossenschaften für die Umsetzung von Agrarumwelt- und Klimaschutz-Maßnahmen (102 interessierte Landwirte).
    • Gründung und Eintragung der fünf neuen Genossenschaften.
    • Durchführung weiterer Vorarbeiten zur Organisation des Start-ups der Genossenschaften.
    • Durchführung von fünf regionalen Informationsveranstaltungen für die Branche.
    • Entwicklung, Koordinierung und Genehmigung von fünf Naturschutzplänen mit Analyse der Landschaftsgebiete.
    • Erfassung des Vorkommens der Zielarten und der artspezifischen Anforderungen.
    • Erstellung von GIS-Daten und Einrichtung von Karten auf der Website, damit interessierte Landwirte die potenziellen Gebiete der fünf Genossenschaften einsehen können.
    • Fertigstellung von Vorschlägen für kollektive Maßnahmen seitens der Landwirte.
    • Vorbereitung und Abschluss von Verträgen über kollektive Maßnahmen mit den Landwirten.
    • Beratung der Landwirte bei der Umsetzung der Maßnahmen im Frühjahr 2024.
    • Begehung der Gebiete und Überarbeitung von fünf Naturschutzplänen.
    • Vorbereitung und Einreichung von Umwandlungsanträgen, Neuanträgen und Verlängerungsanträgen bis Juni 2024.

    Wichtigste Ergebnisse

    Die Projektergebnisse wurden durch das Netzwerken der Stiftung ermöglicht. Seit 2016 setzt sie sich dafür ein, die Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Naturschützern in Praxis und Verwaltung zu verbessern. Das Netzwerk der Stiftung hat sich seitdem stetig erweitert, wobei sich durch die Umsetzung verschiedener Projekte nach und nach vertrauensvolle Partnerschaften entwickelt haben. Die daraus resultierenden Erfolge trugen dazu bei:

    • Fünf neue regionale Naturkooperativen für landwirtschaftliche Betriebe zu gründen.
    • Einbeziehung von mehr als 60 landwirtschaftlichen Betrieben in der ersten Phase.
    • Bewirtschaftung von 4 087 Hektar Ackerland mit Maßnahmen auf 1 451 Hektar.
    • Förderung gefährdeter Tier- und Pflanzenarten in landwirtschaftlichen Gebieten auf Landschaftsebene.
    • Optimierung der Zielgenauigkeit von Maßnahmen durch Koordination zwischen Landwirten und Naturschutz.
    • Erreichung regionaler Entscheidungen zur Berechnung der Betriebsprämien.
    • Verringerung des Sanktionsrisikos durch technische Unterstützung und Beratung für Landwirte.
    • Die Verwaltungslast des Projekts durch die Bündelung von Anträgen zu verringern.

    Wichtige Erkenntnisse

    • Der Anwendungsbereich ermöglicht es, GAP-Mittel gezielt einzusetzen und den regionalspezifischen Bedürfnissen in Deutschland gerecht zu werden.
    • Gemeinsames Handeln der Landwirte, das zum Netzwerken und zum Aufbau der Kapazität unter Gleichgesinnten dient, kann eine kritische Masse schaffen, wodurch mit weniger Aufwand mehr erreicht werden kann.
    • Das Projekt zeigt, dass diese deutschen Landwirte zunehmend daran interessiert sind, die Biodiversität auf ihren Feldern zu fördern.
    • Landwirtschaft und Naturschutz können in der Praxis und in der Verwaltung zusammenarbeiten.
    Gemeinsam mit der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt haben wir innovative Lösungen für unseren Betrieb entwickelt, um mehr Naturschutzmaßnahmen in die landwirtschaftliche Produktion zu integrieren. Teile unserer Produktionsflächen sind in verschiedene Projekte eingebunden und damit ein wichtiger Bestandteil der zunehmend vernetzten Strukturen. Ich halte es für wichtig, dass bei der Planung von Naturschutzmaßnahmen größere Gesamtflächen berücksichtigt und entwickelt werden. Einige Flächen sind für den Erhalt der Biodiversität reserviert; der landwirtschaftliche Ertrag steht hier nicht mehr im Vordergrund. Neben einer angemessenen Vergütung ist es für die erfolgreiche Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen entscheidend, dass alle Beteiligten auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Urban Jülich, Bördegrün GmbH & Co. KG
    Durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung erhält man gute Ideen für die Umsetzung von Naturschutz- und Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, die sich auch in den praktischen landwirtschaftlichen Betrieb einfügen. Zudem können mit Hilfe dieser Unterstützung Pflanzen im betrieblichen Umfeld angebaut werden, die langfristig Bestand haben und sich positiv auf die lokale Flora und Fauna auswirken. Dr. Almuth Freifrau von Bodenhausen