General information
Beneficiary type
- Producer group / cooperative / farmer’s association
CAP specific objective
- SO6. Biodiversity and farmed landscapes
Intervention type
- Art. 77 – COOP
Summary
Im Jahr 2023 gründete der Landschaftspflegeverein (LPV) Potsdamer Kulturlandschaft eine Kooperative für Agrarnaturschutz. Zwölf Landwirt:innen entwickelten gemeinsam mit dem LPV einen Plan für die überbetriebliche Umsetzung von Maßnahmen auf ihren Flächen. So soll der Agrarnaturschutz effektiver und effizienter gestaltet werden – für die Natur und die Betriebe.
Der LPV beriet die Landwirt:innen intensiv bei der Auswahl und Entwicklung regionaler Maßnahmen und reichte gesammelt die Anträge auf Agrarförderung ein. Zentrale Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, die die Kooperative bereits umgesetzt hat, sind Moorschonende Stauhaltung, Winterwasserrückhalt in der Landschaft und Feldvogelinseln auf Ackerflächen. Die Kooperative hat außerdem zwei Maßnahmen speziell für ihre Flächen entwickelt: den Wiesenbrutschutz zur Förderung der Biodiversität und die Einsaat einer energiereichen Pflanzenmischungen auf Ackerflächen als Alternative zum Maisanbau.
Bereits ein Jahr nach Beginn der Maßnahmen konnte das Wasser in der Landschaft besser zurückgehalten werden, was den starken Dürreperioden in der Region entgegenwirkte. Auch Vogelarten wie der Kiebitz profitierten von den Wasserflächen, die die gefährdete Art für die Aufzucht ihrer Jungen benötigt. Die energiereiche „Veitshöchheimer Hanfmischung” wächst nicht nur als Maisalternative, sondern schafft auch Raum zum Brüten für das ebenfalls bedrohte Braunkehlchen.
Für ihre überbetrieblichen Maßnahmen erhielten die Landwirt:innen im Juni 2025 die erste Förderzahlung. Seit Start der Kooperative sind ihr bereits zwei weitere Landwirt:innen beigetreten. Zwei von drei Kooperativen-Manager:innen sind Frauen, darunter auch die Projektleiterin. Außerdem engagiert sich eine Landwirtin in der Kooperative.
Results
- Landwirt:innen erhalten zusätzliche Förderung im Einsatz für den Umwelt- und Klimaschutz und die Sanktionsrisiken werden von der Kooperative getragen. Da die Betriebe bei der Umsetzung der Maßnahmen angeleitet und beraten werden, sind bisher keine Sanktionen verhängt worden. Das bringt zusätzliche wirtschaftliche Anreize.
- Das Koopativen-Management übernimmt bürokratische Aufgaben und die gemeinsame Antragsstellung – das entlastet Betriebe und Behörden.
- Es werden mehr und regional sinnvollere Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt. So schützen der Erhalt von Mooren und der Bau von Dämmen die Torfschicht und dienen als CO2-Senke, während eine äußerst sparsame Hanfmischung Pflanzenarten fördert, die gut an ein zunehmend trockenes Klima angepasst sind.
- Bei regelmäßigen Workshops und Feldtagen können Landwirt:innen sich zu Ideen und Maßnahmen austauschen, die gemeinsam beschlossen und umgesetzt werden.
- Die Personalkosten werden übernommen, wodurch 1,5 Arbeitsplätze (drei Teilzeitbeschäftigte) in der Kooperative geschaffen wurden.
- Die Kooperativen-Manager:innen sind zu zwei Dritteln weiblich, darunter auch die Projektleiterin.
- Eine der 14 Landwirt:innen der Kooperative ist weiblich.
- Einer der 14 Landwirt:innen der Kooperative ist 31 Jahre alt.
Kontext
In früheren Förderperioden wurden landwirtschaftliche, ökologische und klimatische Maßnahmen auf einzelnen Betrieben umgesetzt, die jedoch kaum Auswirkungen auf die Förderung von Arten und Biodiversität hatten, da die betroffenen Flächen innerhalb der Gesamtlandschaft zu isoliert waren. Die Biodiversität nahm weiter ab, und insbesondere die Landwirtschaft musste mehr Verantwortung übernehmen. In Brandenburg wurden in der letzten Förderperiode nur wenige Maßnahmen umgesetzt, da die Landwirte das finanzielle Risiko möglicher Sanktionen fürchteten.
Hier setzten sowohl das KOMBI-Projekt als auch das Land Brandenburg an und führten eine Maßnahme aus der zweiten Säule der GAP ein, nämlich „kooperative Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen”. Das Ziel war, dass sich Landwirte zu Genossenschaften zusammenschließen und gemeinsam landwirtschaftliche und naturschutzbezogene Maßnahmen umsetzen. KOMBI wird als bundesweites Projekt in vier Modellregionen – Sachsen, Baden-Württemberg, Hessen und Brandenburg – durchgeführt und hat eine Laufzeit von sechs Jahren.
Ziele
Konkret waren die Ziele des Projekts die Stärkung der Biodiversität, der Klimaschutz durch Moorerhaltung sowie die Schaffung und Erhaltung von Strukturelementen in der Agrarlandschaft. Auf einer zweiten, aber ebenso wichtigen Ebene ging es darum, die lokalen Landwirte zu schützen und ihnen die Vorteile einer Zusammenarbeit als Genossenschaft zu bieten, anstatt individuell arbeiten zu müssen, und ihnen sowohl finanzielle als auch rechtliche Unterstützung zu gewähren.
Aktivitäten
Die Genossenschaft wurde im Sommer 2023 mit zunächst zwölf Landwirten gegründet. Der technische Plan und der Nutzungsplan wurden dem Landesministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLEUV) vorgelegt. In der zweiten Jahreshälfte fanden Workshops mit den Landwirten statt, um die Umsetzung der Maßnahmen für 2024 zu planen.
Im Winter 2024 wurde ein Antrag auf Förderung durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) für die Umsetzung der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen gestellt, und im Frühjahr 2025 beantragte das Projekt eine Förderung durch den Brandenburgischen Naturschutzfonds für den Kiebitzschutz und errichtete anschließend in Zusammenarbeit mit einer lokalen Ornithologengruppe Zäune.
Nach Einreichung des Antrags auf Agrarbeihilfen veranstaltete das Projekt Feldtage zum Thema Moor- und Kiebitzschutz sowie zur Beweidung von Dauerkulturen, an denen Vertreter des MLEUV und des KOMBI-Projektmanagements teilnahmen.
Im Jahr 2024 traten zwei weitere Landwirte der Genossenschaft bei. In der zweiten Hälfte des Jahres 2024 fanden erneut Workshops mit den Landwirten statt, um die Umsetzung der Maßnahmen für das folgende Jahr zu besprechen und weitere Fortschritte zu erzielen. Es wurde vereinbart, weitere GAP-Fördermittel zu beantragen. Im Mai 2025 unternahmen die Projektmitglieder eine Exkursion nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg, um die Umsetzung kooperativer landwirtschaftlicher Naturschutzmaßnahmen zu untersuchen. Die Exkursion wurde vom Deutschen Nationalen Netzwerk für den ländlichen Raum organisiert und von Verwaltungsmitarbeitern aus ganz Deutschland besucht.
Geschlechtergleichstellung
In der Genossenschaftsleitung sind zwei von drei Positionen mit Frauen besetzt, darunter auch die der Gesamtleitung. Einer der 14 Landwirte der Genossenschaft ist ebenfalls weiblich.
Generationswechsel
Einer der 14 Landwirte der Genossenschaft ist 31 Jahre alt.
Wichtigste Ergebnisse
Durch die Umsetzung von Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen erhalten die Landwirte zusätzliche Prämien und werden nicht benachteiligt, was wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. Sanktionsrisiken können nun von der Genossenschaft getragen werden, und da die Landwirte bei der Umsetzung der Maßnahmen angeleitet und beraten werden, sind innerhalb der Genossenschaft überhaupt keine Sanktionen verhängt worden. Die Personalkosten für die Genossenschaftsverwaltung werden ebenfalls im Rahmen des KOMBI-Projekts gedeckt, wodurch 1,5 Arbeitsplätze für drei Teilzeitbeschäftigte geschaffen wurden. Ohne diese Finanzierung wäre der Verein gezwungen gewesen, die Genossenschaftsverwaltung 18 Monate lang vorzufinanzieren, bis die GAP-Zahlung für Agrarumweltmaßnahmen bekannt gegeben worden wäre.
Gleichzeitig werden in der Agrarlandschaft mehr Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt und durch die Genossenschaft miteinander verknüpft. Die Umsetzung von Moorerhaltungsdämmen schützt auch den Torfkörper und ermöglicht es ihm, wieder als CO2-Senke zu fungieren, während die Verwendung der äußerst sparsamen „Veitshöchheimer Hanfmischung” Pflanzenarten fördert, die gut an das zunehmend trockene Klima angepasst sind.
In sozialer Hinsicht ermöglichen die regelmäßigen Workshops und Feldtage den Landwirten den Austausch untereinander, wobei die umzusetzenden Maßnahmen gemeinsam beschlossen werden.
Wichtige Erkenntnisse
Landwirte und Naturschützer verfolgen in der Regel unterschiedliche Ziele. Im Rahmen dieses Projekts werden jedoch ihre gegensätzlichen Interessen in Einklang gebracht, sodass diese beiden starken Gruppen gemeinsam für den Klima- und Biodiversitätsschutz arbeiten können und dazu ermutigt werden. Die Landwirte entscheiden gemeinsam und gleichberechtigt, welche Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sie umsetzen möchten. Biodiversität in der Landwirtschaft kann durch das Netzwerken der Gebiete, in denen Maßnahmen umgesetzt werden, erreicht werden.
In Workshops und Feldtagen werden Maßnahmen gemeinsam erörtert und abgestimmt. An Feldtagen können Landwirte die Maßnahmen kennenlernen, Erfahrungen austauschen und die Maßnahmen im folgenden Jahr selbst umsetzen. Andere Landwirte werden eingeladen, um den Austausch innerhalb der Region zu fördern.
Informationen zu den einzelnen Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen werden auch durch Beschilderungen in den Umsetzungsgebieten bereitgestellt, wodurch die Bevölkerung sensibilisiert und das Image der jeweiligen Landwirte gestärkt wird.
Als Landwirt möchte ich auch im Bereich Tier- und Naturschutz einen Beitrag leisten. Ich muss natürlich auch wirtschaftlich rentabel bleiben, aber das ist meine Verantwortung.
Contacts
Olivia Kummel