Good Practice - Project

Wiederherstellung der heimischen Biodiversität auf intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen durch von Landwirten initiierte ökologische Renaturierung

Litauische Landwirte und Forscher haben die Biodiversität auf intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen wiederhergestellt, indem sie einheimische Wildblumenlandschaften anlegten, die an die örtlichen ökologischen und landwirtschaftlichen Bedingungen angepasst sind.
  • GAP-Implementierung
  • - Programming period: 2014-2022
    Kėdainiai, Pasvalys and Alytus, Litauen
    - Programming period: 2014-2022
    Kėdainiai, Pasvalys and Alytus, Litauen

    General information

    RDP Priority
    • P4. Ecosystems management
    RDP Focus Area
    • 4A: Biodiversity restoration, preservation & enhancement
    RDP Measure
    • M16: Cooperation
    Beneficiary type
    • Operational group

    Summary

    Diese litauische EIP-Operationelle Gruppe (OG) hat die Biodiversität in intensiv bewirtschafteten Landschaften wiederhergestellt, indem sie einheimische krautige Pflanzenarten an Feldrändern, in Blühstreifen und anderen ökologischen Landschaftselementen wieder angesiedelt hat. Unter der Leitung des litauischen Forschungszentrums für Land- und Forstwirtschaft in Zusammenarbeit mit Landwirten und Beratern verband die Initiative wissenschaftliche Erkenntnisse mit der praktischen Umsetzung vor Ort.

    Einheimische Gräser und Wildblumen aus der litauischen Pflanzengenbank wurden an die lokalen Böden und Anbaubedingungen angepasst, um Bestäuber zu unterstützen, das ökologische Gleichgewicht zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit der Böden zu stärken. Demonstrationsstandorte in mehreren Regionen zeigten, wie eine biodiversitätsfreundliche Landschaftspflege sowohl in intensiven als auch in weniger intensiven landwirtschaftlichen Systemen funktionieren kann.

    Solche bewährten Praktiken bieten nützliche Einblicke darin, wie die GAP-Förderung durch praktische, pflegeleichte Lösungen eine Verbindung zwischen produktiver Landwirtschaft und ökologischer Wiederherstellung herstellen kann. Sie unterstreichen zudem den Wert der Zusammenarbeit zwischen Forschern, Beratern und Landwirten bei der Entwicklung lokal angepasster Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, die skalierbar, übertragbar und in regionalen genetischen Ressourcen verwurzelt sind.

    Results

    • Mehr als 10 Hektar ökologisch wertvoller Landschaftselemente wurden unter Verwendung von über 50 an die litauischen Bedingungen angepassten einheimischen Pflanzenarten wiederhergestellt oder angelegt.
    • Das Bewusstsein der Landwirte für eine biodiversitätsfreundliche Bewirtschaftung wurde zudem durch praktische Vorführmaßnahmen und den Wissensaustausch vor Ort gestärkt.
    • Das wachsende Interesse an der Produktion von lokalem, einheimischem Saatgut war ein weiteres wichtiges Ergebnis des OG-Projekts.
    • Von größerer Bedeutung ist die Erkenntnis, dass die Wiederherstellung der Biodiversität ein praktischer und umsetzbarer Bestandteil einer produktiven Landwirtschaft sein kann und nicht nur eine separate Umweltverpflichtung darstellt.

    Ressourcen

    A group of people in a meadow taking photographs
    Remigijus Šmatas

    Kontext

    Der Verlust der Biodiversität in europäischen Agrarlandschaften ist zu einem zunehmend zentralen Thema für die GAP-Strategiepläne und die breitere umweltpolitische Debatte geworden. Intensive Bewirtschaftungssysteme, größere Feldstrukturen, Entwässerung, Gefahren durch Pestizide und der Rückgang naturnaher Lebensräume haben zu einem erheblichen Rückgang der Bestäuber, der Feldvögel und der Vielfalt einheimischer Pflanzen beigetragen. In produktiveren landwirtschaftlichen Gebieten gibt es mittlerweile nur noch eine begrenzte ökologische Infrastruktur, die widerstandsfähige Agrarökosysteme unterstützen kann.

    Das EU-Naturwiederherstellungsgesetz und andere ähnliche Bürgerstandards haben die Aufmerksamkeit verstärkt auf die Wiederherstellung der Biodiversität direkt in bewirtschafteten Agrarlandschaften gelenkt. Dies hat zu einem wachsenden Interesse an Blühstreifen, Pufferzonen, artenreichen Grünlandflächen und anderen ökologischen Landschaftselementen geführt, die Ökosystemleistungen fördern und gleichzeitig mit einer produktiven Landwirtschaft vereinbar sind.

    Gleichzeitig wächst die Sorge um den Verlust lokal angepasster pflanzengenetischer Ressourcen. Kommerzielle Wildblumenmischungen, die für die ökologische Wiederherstellung verwendet werden, sind oft importiert und möglicherweise nicht gut an die regionalen Bedingungen angepasst. Viele Mitgliedstaaten untersuchen daher, wie einheimische Arten und lokale Ökotypen wirksamer zur Wiederherstellung der Biodiversität und zur Klimaresilienz beitragen können.

    Litauen spiegelt viele dieser übergeordneten europäischen Herausforderungen wider, insbesondere in intensiv bewirtschafteten Regionen, in denen ökologische Lebensräume erheblich zurückgegangen sind. In diesem Zusammenhang werden der Schutz der Biodiversität, der agroökologische Wandel und die Erhaltung genetischer Ressourcen mit der praktischen Betriebsführung und naturbasierten Lösungen verknüpft, die die langfristige ökologische Widerstandsfähigkeit innerhalb moderner Agrarsysteme fördern.

    Ziele

    Die Projektgruppe (OG) wurde ins Leben gerufen, um Forscher, Landwirte, Berater und Saatgutspezialisten im Hinblick auf das gemeinsame Ziel zusammenzubringen, die Biodiversität auf intensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen mithilfe praktischer Ansätze wiederherzustellen, die auf einheimischen litauischen Pflanzenarten und realen landwirtschaftlichen Bedingungen basieren.

    Ein zentrales Ziel bestand darin, ökologisch wertvolle Landschaftselemente mithilfe einheimischer Arten wiederherzustellen, die an die lokalen landwirtschaftlichen Umgebungen angepasst sind. Die Verbesserung der Verfügbarkeit von Lebensräumen für Bestäuber und Nützlinge bildete einen wichtigen Teil dieses Ansatzes.

    Ein weiteres Ziel konzentrierte sich auf die Erhaltung lokaler pflanzengenetischer Ressourcen durch die praktische Nutzung von Arten, die in der litauischen Pflanzengenbank aufbewahrt werden. Die Steigerung der ökologischen Widerstandsfähigkeit und die Verringerung der mit intensivem Flächenmanagement verbundenen Umweltbelastungen waren ebenfalls wichtige Ziele.

    Ein weiterer Schwerpunkt lag darauf, das Verständnis der Landwirte für eine biodiversitätsfreundliche Landschaftspflege zu verbessern und praktische Ansätze zu entwickeln, die an die Bedingungen der kommerziellen Landwirtschaft angepasst sind.

    Diese OG für bewährte Praktiken zielte zudem darauf ab, übergeordnete EU-Prioritäten im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Biodiversität, dem agroökologischen Wandel und den Zielen der Klimaresilienz in ganz Europa zu unterstützen.

    Aktivitäten

    Die Umsetzung begann Anfang 2023 mit Vorbereitungsarbeiten, die sich auf die Auswahl einheimischer krautiger Arten konzentrierten, die für die Wiederherstellung ökologisch funktionaler Landschaftselemente in landwirtschaftlichen Gebieten geeignet sind. Arten und lokale Sorten wurden entsprechend den Bodenbedingungen, der Bewirtschaftungsintensität und dem ökologischen Zweck ausgewählt. Das Saatgut stammte aus der litauischen Pflanzengenbank, um die Nutzung einheimischer genetischer Ressourcen zu stärken und lokale Ökotypen zu erhalten.

    Es wurden verschiedene Pflanzenmischungen für Blühstreifen, Pufferzonen und naturnahe Grünlandflächen entwickelt, die Bestäuber, den Bodenschutz und weitere Funktionen der Biodiversität unterstützen sollen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Schaffung pflegeleichter Mischungen gelegt, die sich praktisch in produktive Anbausysteme integrieren lassen.

    An fünf Standorten wurden Demonstrationsflächen eingerichtet, darunter vier kommerzielle landwirtschaftliche Betriebe in den Bezirken Kėdainiai, Pasvalys und Alytus sowie eine vom Litauischen Forschungszentrum für Land- und Forstwirtschaft verwaltete Versuchsfläche. Die ausgewählten Standorte repräsentierten unterschiedliche Bodentypen, Entwässerungsbedingungen und Anbausysteme, sodass die Ansätze unter verschiedenen landwirtschaftlichen Bedingungen getestet werden konnten.

    Der Wissensaustausch bildete einen wichtigen Bestandteil des OG-Arbeitsprogramms. Bei Feldtagen, Seminaren und Rundtischgesprächen kamen Landwirte, Agronomen, Forscher, Saatgutproduzenten und Berater zusammen, um die Artenauswahl, die Biodiversität und Methoden zur ökologischen Renaturierung zu erörtern. Eine frühe Feldveranstaltung in Akademija stellte die Initiative den Interessenvertretern der Landwirtschaft vor und hob die Bedeutung der Renaturierung nichtproduktiver ökologischer Flächen innerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen hervor.

    Zu den weiteren Verbreitungsaktivitäten im Jahr 2024 gehörten Fachdiskussionen über litauische Grasarten, praktische Vorführungen zu mehrjährigen einheimischen Gräsern sowie Seminare im Rahmen der „Agrovizija 2024“ mit den Schwerpunkten Bestäuber und Biodiversität. Regionale Feldveranstaltungen im Bezirk Pasvalys ermöglichten es Landwirten und Wissenschaftlern, Versuchsflächen gemeinsam zu bewerten und praktische Erfahrungen mit der Bewirtschaftung direkt vor Ort zu diskutieren.

    Auch die internationale Verbreitung war Teil der Aktivitäten. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Gegenbesuchs des EU-GAP-Netzwerks in Rumänien zusammen mit anderen Operativen Gruppen vorgestellt, die sich auf Biodiversität und den Schutz von Bestäubern konzentrieren.

    Die Arbeit wurde mit einer Abschlusskonferenz und der Veröffentlichung einer frei zugänglichen Publikation mit dem Titel „Auswahl einheimischer Pflanzenarten für Landschaftsgrünland“ abgeschlossen, die praktische Artenprofile und Empfehlungen für die zukünftige Nutzung enthält.

    Wichtigste Ergebnisse

    • Bestäuber, Insekten und andere Nützlinge kehrten in die renaturierten Gebiete zurück und trugen so zur Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts in den Agrarlandschaften bei. Einheimische Pflanzenmischungen trugen zudem zum Bodenschutz bei und unterstützten Ansätze mit geringerem Input, da sie den Pflegeaufwand reduzierten und die Abhängigkeit von chemischen Hilfsmitteln verringerten.
    • Das praktische Verständnis der Landwirte und Berater wurde gestärkt. Die Demonstrationsbetriebe wurden zu anschaulichen Beispielen dafür, dass Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in kommerziellen Anbausystemen erfolgreich umgesetzt werden können, ohne die landwirtschaftliche Produktivität zu beeinträchtigen.
    • Mit GAP-Mitteln konnten hier auf Demonstrationsbetrieben und Forschungsstandorten mehr als 10 Hektar ökologisch wertvoller Landschaftselemente wiederhergestellt oder neu angelegt werden, wobei über 50 an die litauischen Bedingungen angepasste einheimische Pflanzenarten zum Einsatz kamen. Blühstreifen, Grünlandflächen und Pufferzonen erhöhten die Lebensraumvielfalt in intensiv bewirtschafteten Gebieten und stärkten die ökologische Vernetzung zwischen fragmentierten Lebensräumen.
    • Die Ergebnisse weckten zudem das Interesse am Aufbau lokaler Produktionskapazitäten für einheimisches Saatgut. Die Abhängigkeit von importierten Wildblumenmischungen hatte zuvor den breiteren Einsatz lokal angepasster Arten bei der ökologischen Wiederherstellung eingeschränkt. Durch die Hervorhebung des Wertes litauischer genetischer Ressourcen eröffnete das OG neue Diskussionen über inländische Saatgut-Lieferketten und den regionalen Schutz der Biodiversität.
    • Der Wissensaustausch weitete sich während der Umsetzung erheblich aus. Mehr als 300 Teilnehmer besuchten Feldtage, Seminare und Konferenzen, an denen Forscher, Berater, Saatgutproduzenten und Landwirte teilnahmen. Die zwischen diesen Akteuren etablierte Zusammenarbeit unterstützt weiterhin das gegenseitige Lernen und zukünftige Initiativen zur Erhaltung der Biodiversität über den ursprünglichen Projektzeitraum hinaus.

    Wichtige Erkenntnisse

    • Maßnahmen zur ökologischen Renaturierung werden für Landwirte praktischer und attraktiver, wenn die Lösungen an die lokalen Landschaften, klimatischen Bedingungen und Anbausysteme angepasst sind.
    • Der Einsatz einheimischer litauischer Arten schuf widerstandsfähige, funktionale Pflanzengemeinschaften, die nach ihrer Etablierung relativ wenig Pflege erforderten.
    • Der Wert von Demonstrationsbetrieben als Umgebungen für das gegenseitige Lernen sollte anerkannt werden. Landwirte reagierten positiv, wenn sie Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität unter realen wirtschaftlichen Bedingungen beobachten und Fragen der Bewirtschaftung direkt mit anderen Landwirten und Forschern diskutieren konnten.
    • Der Schutz der Biodiversität kann Chancen schaffen, die über reine Umweltvorteile hinausgehen. Das Interesse an der Produktion von einheimischem Saatgut offenbarte das Potenzial für neue lokale Lieferketten im Zusammenhang mit ökologischer Renaturierung und agroökologischer Innovation.
    • Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Beratungsdiensten und landwirtschaftlichen Gemeinschaften stärkte sowohl die Glaubwürdigkeit als auch die Akzeptanz. Die Kombination von Forschungswissen mit praktischer Felderfahrung trug dazu bei, Lösungen zu entwickeln, die wissenschaftlich fundiert und in produktiven Agrarsystemen umsetzbar waren.
    Zusammen mit meinem Vater haben wir einen Steinhaufen angelegt und ihn mit einheimischen Wildblumen bepflanzt. Bald kehrten Bienen, Käfer und sogar Füchse zurück. Das hat dem Hof neues Leben eingehaucht und meine Sichtweise darauf verändert. Arnas Šiušė, Junglandwirt, Bezirk Kėdainiai
    Als Forscherin war es inspirierend, direkt mit Junglandwirten zusammenzuarbeiten und zu sehen, wie einheimische Pflanzenarten unter realen Feldbedingungen gedeihen. Dr. Eglė Norkevičienė, leitende Wissenschaftlerin, Litauisches Forschungszentrum für Land- und Forstwirtschaft (LAMMC)
    Für mich als Landwirtin war dieses Projekt eine großartige Gelegenheit, einen Beitrag zur ökologischen Innovation zu leisten und zu zeigen, dass Nachhaltige Landwirtschaft in großem Maßstab möglich ist. Laura Masilionytė, Landwirtin, Bezirk Pasvalys