General information
RDP Priority
- P1. Knowledge transfer and innovation
RDP Focus Area
- 4C: Soil erosion & soil management
RDP Measure
- M19: LEADER/CLLD
Beneficiary type
- Non-governmental organisation
Summary
Das Projekt „Bodenkoffer“ wurde in der LEADER-Region Oberinnviertel-Mattigtal entwickelt, um Landwirten und der Öffentlichkeit zu helfen, mehr über ihren Boden zu erfahren. Es umfasst eine Bewertungsbox mit einer App, mit der Landwirte ihre Ackerböden und Grünflächen analysieren können. An zehn Standorten werden chemische, biologische und technische Analysen durchgeführt, um den Boden mit dem Bodenkoffer zu untersuchen. Die Daten aus den Analysen können dann über eine Smartphone-App oder schriftlich in dem mitgelieferten Anleitungsbuch erfasst werden. Die Bewertung der Ergebnisse ist unmittelbar nach der Übertragung der Daten verfügbar. Den Landwirten wurde ein individuell entwickeltes Schulungsprogramm angeboten, um den „Bodenkoffer“ richtig anzuwenden.
Der „Bodenkoffer“ wirkt sich auch positiv auf die Nutzung natürlicher Ressourcen und das Kulturerbe aus und trägt zur Erhaltung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft bei, die für die Aufrechterhaltung der Produktionsvielfalt und die Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen wichtig ist.
Im Laufe des Projekts spielten verschiedene Frauen eine zentrale Rolle. Ulrike Kappacher entwickelte die App und das Anwendungsheft, während Elisabeth Murauer den Großteil der Schulungen für die Bodenmultiplikatoren durchführt. Derzeit sind 320 Bodenkoffer in Österreich, Bayern, Südtirol, Luxemburg und sogar El Salvador im Einsatz, viele davon von Frauen.
Results
- Umwelt: Bodenkoffer tragen zur Förderung gesunder Böden bei und binden so mehr CO2, was zum Bodenschutz beiträgt.
- Bildung: Das Kit ist mittlerweile Teil des Lehrplans vieler österreichischer Landwirtschaftsschulen (die Schüler dürfen es mit nach Hause nehmen, um es auf ihren Feldern auszuprobieren); für Landwirte werden fortlaufende Schulungen organisiert.
- Finanzen: Bodenkoffer reduziert die Ausgaben für Düngemittel und Pestizide, was landwirtschaftlichen Betrieben zugute kommt.
- Übertragbarkeit: Das Projekt führte auch zu einem umfassenden Austausch mit anderen Regionen, wobei der regionale Mehrwert übertragbar ist – das Projekt wird nun auf überregionaler Ebene weiterentwickelt.
- Globale Reichweite Bodenkoffer finden international großen Anklang – 320 davon sind derzeit in Österreich, Bayern, Südtirol, Luxemburg und sogar El Salvador im Einsatz und ermöglichen Landwirten in zahlreichen verschiedenen Regionen die Analyse und den Schutz ihrer Böden.
Kontext
Bodengesundheit und nachhaltige Bodennutzung werden für die Produktion regionaler, hochwertiger Produkte immer wichtiger. Die Fähigkeit des Bodens, Kohlenstoff und Wasser zu speichern, wirkt sich positiv auf die Natur und das Klima aus. Je gesünder, lockerer und lebendiger die landwirtschaftlichen Flächen sind, desto weniger Düngemittel werden benötigt. Dadurch steigen auch die Ernteerträge.
Ausschlaggebend für die Initiierung des Projekts war der Druck in der Landwirtschaft, der Versiegelung von Böden entgegenzuwirken. Wenn Landwirte wissen, wie sie einen gut durchlüfteten und gesunden Boden erreichen und erhalten können, können sie nicht nur Pestizide und Düngemittel einsparen, sondern auch ihren Boden besser für extreme Wetterbedingungen wappnen.
Der Mangel an kostengünstigen und einfach zu bedienenden Analysewerkzeugen für Landwirte machte dieses Projekt notwendig, und die Idee zum Bodenkoffer entstand aus einem Austausch zwischen regionalen LEADER-Vertretern, lokalen Interessenvertretern (Landwirtschaftskammer, Landwirte, Boden.Wasser.Schutz.Beratung, AGRAR-EN und dem letzten Initiator, Ferdinand Tiefnig).
Ziele
Das Hauptziel des Bodenkoffer-Projekts war es, eine zehnstufige Methode für eine aussagekräftige Bodenbewertung zu entwickeln, die biologische, physikalische und chemische Aspekte hervorhebt und Landwirten ermöglicht, geeignete Maßnahmen zur Schaffung guter Bodenbedingungen zu ergreifen.
Allgemeiner gesagt war es ein vorrangiges Ziel, Landwirte dazu zu bewegen, sich intensiv mit ihrem Boden – der Erde, auf der sie stehen – auseinanderzusetzen. Sie müssen ihn fühlen, schmecken und riechen können, um die besten Maßnahmen für den Umgang mit ihm zu wählen.
Das Projekt wollte den Landwirten auch dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, beispielsweise wie lange es dauert, bis sich Humus bildet, und wie wichtig es ist, dass dieser nicht durch Trockenheit oder starke Regenfälle weggeweht oder weggespült wird.
Aktivitäten
Vor Beginn des Projekts fanden 2018 erste Gespräche zwischen dem LEADER-Büro, lokalen Interessenvertretern (Landwirte, Landwirtschaftskammer und Boden. Wasser.Schutz.Beratung) und dem Initiator des Projekts, Ferdinand Tiefnig, statt. Diese wurden aufgrund der extremen Wetterbedingungen und deren Auswirkungen auf den Boden abgehalten. Anschließend wurde ein Treffen mit Norbert Ecker, Geschäftsführer der AGRAR-EN Projektmanagement GmbH, vereinbart, bei dem spontan die Idee einer Toolbox entstand, die alles enthält, was ein Landwirt benötigt, um seinen eigenen Boden auf einfache Weise zu bewerten.
Das Projektteam entwickelte daraufhin in Zusammenarbeit mit dem regionalen LEADER-Büro den Bodenkoffer. Dieser wurde Ende Februar 2020 zusammen mit Erläuterungen zu den zehn Analyseorten vorgestellt. Außerdem wurden DIY-Videos für die Projektwebsite produziert.
Jedem der 37 Mitgliedsgemeinden der Region wurde ein Bodenkoffer zur Verfügung gestellt, und mittlerweile gibt es in jeder Gemeinde einen Landwirt mit einem Bodenkoffer. Andere Interessierte können den Koffer gegen eine geringe Gebühr ausleihen.
Lokale Bauernverbände wurden mit einer dreistündigen Schulung durch eine Fachkraft zur Durchführung des Zehn-Stufen-Programms des Bodenkoffers einbezogen. Außerdem wurde eine Gebrauchsanweisung mit einer Beschreibung der Stationen entwickelt. Das Projekt begann auch eine Zusammenarbeit bei Schulungskursen für Bodenpraktika an der Landwirtschaftsschule Burgkirchen. Dabei wurden Bodentage mit hochrangigen Referenten organisiert.
Während des gesamten Projekts wurde ein kontinuierlicher Kontakt zu den Landwirten gepflegt, um deren Feedback, Erfahrungen, weiteren Bedürfnisse und Vorschläge für Innovationen zu erhalten. Bis 2024 wurde der Bodenkoffer um drei weitere Analysestationen erweitert und wird nun in Verbindung mit dem Vanhoof-Profilspaten verwendet, der speziell für die Bodenanalyse entwickelt wurde.
Geschlechtergleichstellung
Im Laufe des Projekts spielten verschiedene Frauen eine zentrale Rolle. Frau Ulrike Kappacher war und ist für das Brainstorming, die didaktische Entwicklung und die Verwaltung zuständig. Sie war auch diejenige, die die App und die Anwendungsbroschüre erstellt hat.
Frau Elisabeth Murauer ist ebenfalls maßgeblich am Erfolg des Bodenkoffers beteiligt, zu dem sie durch ihr Studium an der BOKU-Universität in Wien und ihre Beratungstätigkeit bei Boden ihr enormes Fachwissen in verschiedenen Kontexten eingebracht hat. Wasser.Schutz. Sie war maßgeblich an der Entwicklung der Texte für die Anwendungsbroschüre und die App beteiligt und führt auch die meisten Schulungen für die Bodenmultiplikatoren durch.
Auch unter den regelmäßigen Nutzern des Bodenkoffers sind viele Frauen.
Generationswechsel
Der Bodenkoffer kooperiert mit Universitäten und Schulen. An vielen österreichischen Landwirtschaftsschulen ist er bereits fester Bestandteil des Lehrplans, wobei die Schüler ihn mit nach Hause nehmen dürfen, um ihn auf ihren eigenen Feldern auszuprobieren und sich damit vertraut zu machen. Auch international wird der Bodenkoffer bereits im Unterricht eingesetzt, beispielsweise am Campus Burghausen in Deutschland. So können sich junge Menschen aktiv mit Böden auseinandersetzen, was einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für die Bodengesundheit leistet.
Wichtigste Ergebnisse
In ökologischer Hinsicht tragen die Bodenkoffer zu gesunden Böden bei und binden so mehr CO2, was zum Bodenschutz beiträgt.
Im Bildungsbereich werden sie mittlerweile in Schulen eingesetzt, während für Landwirte fortlaufende Schulungen angeboten werden.
Finanziell gesehen senkt der Bodenkoffer die Ausgaben für Düngemittel und Pestizide, was den landwirtschaftlichen Betrieben zugute kommt.
Das Projekt führte auch zu einem umfassenden Austausch mit anderen Regionen. Der regionale Mehrwert des Projekts konnte übertragen werden und entwickelt sich nun auch auf überregionaler Ebene weiter.
Die Bodenkoffer wurden international gut angenommen und sind mittlerweile 320 Mal in Österreich, Bayern, Südtirol, Luxemburg und sogar im weit entfernten El Salvador im Einsatz. Damit können Landwirte in zahlreichen verschiedenen Regionen ihre Böden analysieren und schützen.
Wichtige Erkenntnisse
Erst durch gutes Netzwerken konnte mit der Entwicklung des Bodenkoffers begonnen werden. Die vier Hauptakteure, die den Bodenkoffer entwickelt haben (zwei Berater, ein Bodenforscher und der LAG-Manager der LEADER-Region), kommen aus drei verschiedenen Bezirken Oberösterreichs und haben vier unterschiedliche Hintergründe und Bildungswege, was der perfekte Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses einzigartigen Konzepts war.
Wichtig war auch ein niederschwelliger Ansatz. In Kombination mit der digitalen Erfassung der Ergebnisse weckt dies sowohl Inspiration als auch Neugierde bei den Nutzern.
Man bekommt einfach ein Gefühl dafür, wie es um den Boden steht!
Das wirklich Interessante ist, nach der Verwendung des Bodenkoffers mit anderen Landwirten über neue Anbaumethoden zu sprechen!
Danke an die Erfinder des Bodenkoffers für dieses kompakte Werkzeug!
Contacts
Ulrike Kappacher